Politik : Nordirland: Portadown rüstet auf - Die Gewalt vor dem Oraniermarsch nimmt zu

Martin Alioth

Die britische Armee hat am Mittwochmorgen stählerne Barrikaden auf der verbotenen Marschroute des Oranier-Ordens in der nordirischen Stadt Portadown installiert. Weitere Befestigungs- und Schanzarbeiten sollen im Vorfeld der Parade am Sonntag folgen. In der Nacht zu Mittwoch hatten sich die protestantischen Krawalle auf ein halbes Dutzend Städte ausgedehnt, in Belfast wurde die Polizei beschossen. In Portadown selbst setzte die Polizei erstmals Wasserwerfer ein - die belgischen Behörden hatten den nordirischen Kollegen zwei Spritzenwagen geliehen. Die Verkehrsmeldungen warnen wieder einmal vor zahlreichen Blockaden und Behinderungen.

Der Orden selbst wies indessen Vorwürfe der Mitverantwortung für die steigende Gewaltwelle unverändert von sich. "Friedliche und würdevolle" Solidaritätskundgebungen von protestantischen Untergrundverbänden seien willkommen, meinte ein Oranier-Sprecher. Die Gewalt bestätigt die Befürchtung, dass die Disziplin innerhalb der protestantischen Kommandos zerbröselt, und dass dissidente Gruppen sich zu einer lockeren Allianz verbündet haben. Unbelehrbare Elemente sehen Portadown als letzte Chance, den Friedensprozess zu torpedieren und der protestantischen Mehrheit eine Art von brachialem Vetorecht einzuräumen, über das sie im "Ancien Regime" - also vor dem Karfreitagsabkommen - stets verfügt hatte.

Am Freitag beginnen dreiwöchige Sommerferien in Nordirland. Dann erst wird sich zeigen, ob der protestantische Trotz noch immer über Massengefolgschaft verfügt. Chefminister David Trimble verurteilte die Straßengewalt, musste aber zusehen, wie seine Parlamentsfraktion weiter dahinschmolz. In einer Abstimmung am Dienstag stimmten 32 von insgesamt 58 unionistischen Abgeordneten (55 Prozent) für den Antrag von Pfarrer Ian Paisley, die Sinn-Féin-Partei von allen politischen Ämtern auszuschließen.

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