Nordkorea : Bewegung im Atomstreit

Ein US-Gesandter soll in Nordkorea eine neue Sechserrunde vorbereiten. Die gegenwärtigen Sanktionen, die gegen Nordkorea verhängt wurden, sind für das Land bereits schwer zu tragen.

Daniel Kestenholz[Bangkok]

Es kommt Bewegung in Obamas Nordkoreapolitik. Am Dienstag reiste der US- Sondergesandte für Nordkorea, Stephen Bosworth, gemeinsam mit seinem für Nuklearfragen zuständigen Chefunterhändler, Sung Kim, nach Pjöngjang. Es ist das ranghöchste Direkttreffen zwischen beiden Staaten seit dem Amtsantritt des US-Präsidenten. Aus US-Kreisen verlautete im Vorfeld, Bosworth werde seinen Gastgebern keine neuen Angebote offerieren, er erwarte aber, dass das Land an den Verhandlungstisch der Pekinger Abrüstungsgespräche zurückkehre.

Die Nordkoreaner hatten in den vergangenen Wochen Entgegenkommen signalisiert. Sie verlangen jedoch darüber hinaus weiter direkte Gespräche. Obama wiederum beteuert, die einzigen bilateralen Kontakte, die Amerika offeriere, dienten der Pekinger Sechserrunde und seien nur in deren Rahmen denkbar.

Ein Durchbruch wird von Bosworths „Verhandlungen über Verhandlungen“ in Pjöngjang nicht erwartet. Das Weiße Haus betonte auch, dass Bosworth „sicher keine zusätzlichen Anreize“ im Gepäck mitführt. „Wir haben nicht die Absicht, Nordkorea für zu etwas zu belohnen, das zu tun es schon früher versprach.“ Im Gegenteil prüfen die Amerikaner eine Verschärfung der bestehenden UN-Sanktionen.

Die gegenwärtigen Sanktionen indes sind für das Land bereits schwer zu tragen. Jüngstes Beispiel: Eine radikale Geldentwertung hat praktisch das gesamte Privatvermögen im Land vernichtet. Beobachtern zufolge haben internationale Sanktionen der nordkoreanischen Wirtschaft dermaßen zugesetzt, dass dem Regime nur noch die „Abwürgung“ der privaten Märkte geblieben sei, deren Waren mit der Won-Entwertung kein Normalsterblicher mehr bezahlen kann. Das Gesamtvermögen eines Haushalts darf nicht höher sein als umgerechnet rund 40 US-Dollar.

Dass ein erfolgreiches Abkommen von Direktkontakten zwischen den USA und Nordkorea abhängt, das sehen im Übrigen auch die Chinesen so, denen vor einem destabilisierten Nordkorea graut. China unterstützt zwar nach wie vor die Pekinger Gespräche, an denen auch Japan, Russland und Südkorea beteiligt sind, ließ aber durchblicken, dass Nordkoreaner und Amerikaner ihren Konflikt letztlich bilateral klären müssen. Noch im Oktober reiste der chinesische Premier Wen Jiabao nach Pjöngjang und bekräftigte Nordkoreas Gesprächsbereitschaft.

Die Nordkoreaner hatten schon unter Obamas Amtsvorgängern Clinton und Bush Abkommen zur schrittweisen nuklearen Abrüstung unterzeichnet, nur um beide Male bald eine Kehrtwendung zu vollziehen und neue Direktverhandlungen mit Washington zu verlangen. So will Pjöngjang auch ein Friedensabkommen, um den 1953 bloß durch eine Waffenruhe beendeten Koreakrieg endlich auch staatsrechtlich zu beenden.

Die Amerikaner wiederum haben es mit einem Friedensabkommen nicht eilig. Sie wollen auch Nordkoreas Anrainer China, Japan, Russland und Südkorea in der Pflicht sehen, eigene Beiträge zur Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel zu leisten. Fernziel bleibt die Normalisierung der diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Nordkorea, was auch den Wiederaufbau der abgewirtschafteten Nation miteinschließt.

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