Nordkorea : Heizöl statt Atomkraft

Nordkorea hat am Samstag eine erste Öllieferung erhalten – und seinen umstrittenen Atomreaktor abgestellt.

Pjöngjang/Peking - Wenn die Angaben aus Nordkorea korrekt sind – und bisher besteht kein Grund, daran zu zweifeln – dann hat Pjöngjang einen wichtigen Schritt in Bezug auf das Februar-Abkommen aus den Sechs-Parteien-Gesprächen unternommen. Nordkorea verkündete am Samstag, sein umstrittener Atomreaktor Yongbyon sei abgeschaltet worden. Für Mittwoch nun sind in Peking neue Sechser-Gespräche anberaumt. Neben Nordkorea und den USA nehmen China, Südkorea, Japan und Russland daran teil.

Ebenfalls am Samstag war der erste Teil einer Lieferung von insgesamt 50 000 Tonnen schweren Heizöls aus Südkorea in Nordkorea eingetroffen. Es ist Teil umfangreicher Hilfslieferungen, die das unter Energiemangel leidende Land im Gegenzug für das Herunterfahren des Reaktors erhalten soll. Nachdem zunächst 6200 Tonnen geliefert wurden, soll am Montag eine weitere Schiffsladung mit 7500 Tonnen auf den Weg gebracht werden. Bis Anfang August soll die Lieferung abgeschlossen sein.

Experten der Internationalen Atomenergiebehörde wollen in den kommenden zwei Wochen Kameras zur Überwachung der Versiegelung der Atomanlage installieren. Danach sollen zwei Inspekteure ständig vor Ort bleiben. Der Kernreaktor Yongbyon ist die wichtigste Kernkraftanlage in dem kommunistischen Staat. Nach Angaben der Internetseite „Globalsecurity.org“ besteht der Komplex rund hundert Kilometer nördlich von Pjöngjang aus einem fünf Megawatt starken Forschungsreaktor sowie Zentren zur Aufbereitung von Plutonium und Brennstäben. Ein weiterer 50-Megawatt-Reaktor ist noch im Bau.

Mit seiner relativ geringen Kapazität von fünf Megawatt wird der einzige betriebsbereite Reaktor in Yongbyon vor allem für die Produktion von Atomwaffen genutzt. Die zahlreichen Stromausfälle, unter denen ganz Nordkorea leidet, kann er nicht verhindern. Nach einem Untersuchungsbericht des US-Kongresses vom Januar ist Yongbyon nicht einmal an das Stromnetz angeschlossen.

Bei vollständiger atomarer Abrüstung soll entsprechend dem Februar-Abkommen das verarmte nordkoreanische Regime weitere umfangreiche Energie- und Wirtschaftshilfen und Sicherheitsgarantien erhalten, außerdem ist die Normalisierung der Beziehungen zu den USA in Aussicht gestellt. Doch viele Punkte des Abkommens sind noch strittig. So werden zum Beispiel Probleme erwartet, wenn Nordkorea sein ganzes Atomprogramm enthüllen oder seine Atomwaffen aufgeben soll. AFP/dpa

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