Politik : Nordkorea-Hilfe: Bestellt, aber nicht geliefert

Rainer Woratschka

Klaus Kinkel schäumt. Es sei "eine Schande", dass die Deutschen noch immer nicht mit den versprochenen Rindfleischlieferungen nach Nordkorea begonnen haben. Dabei, so der frühere Außenminister, sei der Ernährungs- und Gesundheitszustand der 22 Millionen Nordkoreaner "dramatisch schlecht". Doch "die einzigen, die was getan haben, sind die Schweizer".

Tatsächlich haben die Eidgenossen im Mai 712 Tonnen tiefgefrorenes Rindfleisch nach Nordkorea geliefert. Und es war schon der siebte Transport von Fleischüberschüssen seit 1997. In Deutschland hingegen verlegte man sich - trotz neuerlicher Dürremeldungen - aufs Abwarten. "In den nächsten Wochen", verspricht nun das Agrarministerium, soll es so weit sein. Ein Kompromiss, wie eine Sprecherin einräumt: Statt der anvisierten 6000 Tonnen Rindfleisch habe man erst 3000 Tonnen beisammen. "Aber wir können ja nicht ewig warten."

Anfang April, als die Rinderseuche BSE grassierte und den Markt einbrechen ließ, war noch von bis zu 30 000 Tonnen die Rede. Doch die Verbraucher bewiesen ein kurzes Gedächtnis, der Rindfleischmarkt erholte sich, und entsprechend mager wurden die Angebote für das EU-Ankaufprogramm. Der Transport von weniger als 3000 Tonnen mache keinen Sinn, sagt die Ministeriumssprecherin. "Es wird ja absurd, wenn die Lieferkosten höher sind als der Warenwert."

Die Bundesregierung müsse sich eben für einen höheren Ankaufpreis starkmachen, meint Bauernverbands-Sprecher Michael Starp. Mit der festgelegten Verarbeitungsspanne von maximal 14 Euro pro 100 Kilo Schlachtgewicht kämen die deutschen Schlachtbetriebe einfach nicht auf ihre Kosten. Die Folge: Sie suchten sich einfach andere Abnehmer. Starp: "Dabei würden wir uns freuen, wenn mehr Fleisch nach Nordkorea ginge."

Die Verzögerung habe ausschließlich mit technischen Gründen zu tun, versichert man im Agrarministerium. Die Sprecherin erinnert auch an die Bedenken der Nordkoreaner gegenüber Fleischlieferungen während der heißen Sommermonate - und wundert sich über Kinkels These von einer falschen Rücksichtnahme auf die neue US-Regierung. "Die Europäer blamieren sich", schimpft der Ex-Außenminister. "Sie rannten nach Nordkorea, als die USA grünes Licht gaben. Als die nächste Administration von Präsident Bush rotes Licht gab, zuckten sie zurück." Statt dem "Hü und Hott der USA" zu folgen, seien aber "klare Politikkonturen gegenüber Nordkorea" nötig. Es gehe um die Menschen, sagt Kinkel, und wer den Menschen helfe, lockere auch das Regime. Cap Anamur und die Welthungerhilfe leisteten in Nordkorea bereits Vorbildliches. "Solche Macher brauchen Vorfahrt."

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