Nordkorea : Keine weiteren Atomtests?

Nordkorea will offenbar keinen weiteren Atomwaffentest vornehmen. Das meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf diplomatische Kreise in Peking.

Peking/Seoul - Einem Zeitungsbericht zufolge äußerte der nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il Bedauern über den ersten Atomwaffentest. China sprach nach einem Gespräch des chinesischen Sondergesandten Tang Jiaxuan mit Kim von einigen positiven Ergebnissen, die erreicht worden seien. US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte bei ihrem Besuch in Peking, China habe ihr versichert, seine Grenze zu Nordkorea entsprechend der UN-Resolution gewissenhaft zu kontrollieren.

Nordkoreas Präsident Kim habe dem chinesischen Gesandten Tang gesagt, dass sein Land keinen weiteren Atomwaffentest plane, meldete Yonhap. Die südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo" berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte diplomatische Quellen, Kim habe der Delegation aus China gesagt, er bedauere den ersten Test. "Wenn die USA bis zu einem gewissen Grad Zugeständnisse machen, werden wir das auch tun, entweder auf bilateraler Ebene oder im Rahmen der Sechs-Nationen-Gespräche", habe Kim angekündigt. Der chinesische Sondergesandte Tang war am Donnerstag mit dem nordkoreanischen Staatschef zusammengetroffen und hatte die baldige Wiederaufnahme der Sechs-Nationen-Gespräche erörtert.

Grenze zu China dicht

Die Unterredung habe "das gegenseitige Verständnis" gesteigert, sagte der chinesische Außenminister Li Zhaoxing. Tang selbst sagte, sein Besuch sei "zum Glück nicht umsonst" gewesen. US-Außenministerin Rice dämpfte jedoch Hoffnungen auf eine baldige Lösung des Konflikts mit Nordkorea. Das Treffen zwischen Kim und Tang habe nichts Überraschendes ergeben, sagte sie vor Journalisten. Sie hatte zuvor Nordkorea zur bedingungslosen Wiederaufnahme der Sechser-Gespräche aufgefordert.

Ihrem chinesischen Kollegen Li machte Rice nach eigenen Angaben deutlich, wie wichtig die Umsetzung der Resolution 1718 sei, damit Nordkorea kein Material für sein Atomwaffenprogramm geliefert bekomme. "Die Chinesen haben uns versichert, dass sie die Grenze gewissenhaft kontrollieren und weiter kontrollieren werden", sagte Rice. Der chinesische Präsident Hu Jintao rief zu Ruhe und Vorsicht auf. "Wir sind bereit, mit allen Parteien gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, um mit dem Problem ruhig umzugehen und vorsichtig zu handeln, damit die Situation nicht eskaliert", sagte Hu nach Angaben eines chinesischen Fernsehsenders.

Ban Ki Moon will Gespräche mit China führen

Der südkoreanische Außenminister und zukünftige UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte für Ende nächster Woche Gespräche mit China über das nordkoreanische Atomprogramm an. Er wolle zudem sein Bestes tun, um die Menschenrechtssituation in dem Land zu verbessern, sagte Ban der Nachrichtenagentur Yonhap.

China war die dritte und vermutlich schwierigste Station auf Rices Asien-Reise. Die Regierung in Peking befürchtet im Falle einer rigiden Embargo-Umsetzung gegen Nordkorea die Eskalation des Atomkonflikts. China ist der engste Verbündete Nordkoreas und gilt als das Land mit dem größten Einfluss auf die kommunistische Regierung in Pjöngjang.

In der nordkoreanischen Hauptstadt bekundeten mehr als 100.000 Soldaten und Zivilisten nach offiziellen Angaben ihre Zustimmung zu dem ersten Atomwaffentest des Landes am 9. Oktober. (tso/AFP)

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