Nordkorea : Kommt der Wandel?

03.01.2013 16:00 Uhrvon , Martin Koelling
Kim Jong Un Foto: dpa
Kim Jong Un - Foto: dpa

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un hat in einer Rede zum neuen Jahr „radikale Änderungen“ angekündigt. Folgen nun tatsächlich Reformen – und gibt es eine Annäherung an Südkorea?

Nordkoreas neuer Führer Kim Jong Un hat es wieder einmal in die weltweiten Schlagzeilen geschafft. Zum ersten Mal seit 19 Jahren verlas er eine Neujahrsansprache, die im Fernsehen übertragen wurde. Und schon fragen die Medien in aller Welt, ob er nicht Signale des Wandels in der letzten knallharten kommunistischen Diktatur aussende: Versprach Kim doch, die Wirtschaft zu stärken, die Beziehungen zu Südkorea zu verbessern und gar auf eine friedliche Wiedervereinigung des kommunistischen Nordens und des kapitalistischen Südens hinzuarbeiten.

Skepsis ist jedoch geboten.

Im Vergleich zu seinem im Dezember 2011 verstorbenen Vater Kim Jong Il hat Kim-Junior zwar deutlich den Stil verändert. Er lässt Micky Maus auf Paraden auftreten. Und während sein Vater die Öffentlichkeit scheute, sucht der Sohn wie sein Großvater das Bad in der Menge. Er hat sogar seine Frau offen mit auf Tour genommen, ein Novum in Nordkorea. „Doch in der Substanz bleibt er der nordkoreanischen Politik treu“, sagt Daniel Pinkston, Nordkorea-Experte der International Crisis Group in Seoul. Erstens handelt es sich weiterhin um eine „extrem konzentrierte Diktatur“, meint Pinkston.

Es gebe zwar Raum für unterschiedliche Managementstile. „Aber die Struktur hat sich nicht groß geändert, seit Kim Jong Un an der Spitze steht“, so Pinkston. Zweitens war keines der Ziele von Kims Neujahrsansprache wirklich neu. Nordkoreas Führung verspricht seit Jahrzehnten, eine starke und prosperierende Nation aufzubauen. Drittens liegt die die Betonung dabei auf stark. Die Leitdoktrin ist weiterhin „das Militär zuerst“, wie Kim eindrucksvoll Mitte Dezember mit einer gezielten Provokation der Vereinten Nationen (UN) demonstrierte.

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres ließ Kim eine Weltraumrakete starten, obwohl die Vereinten Nationen dem Land verboten haben, ballistische Raketen jeglicher Art zu testen. Der Norden besteht zwar darauf, dass es sich um zivile Nutzung handele. Aber die UN haben Weltraumraketen mit in das Verbot einbezogen, da die Technik grundsätzlich die gleiche wie bei atomaren Langstreckenraketen ist. Dieses Mal verschob der Test das militärische Gleichgewicht sogar ein wenig zugunsten Nordkoreas. Denn im Gegensatz zu den vorigen gescheiterten Versuchen schaffte es die Rakete ins All.

Bis die Technik zuverlässig genug ist, statt kleinen Satelliten auch schwere atomare Sprengköpfe gezielt zu verschießen, wird zwar noch einige Zeit ins Land gehen. Aber Nordkorea hat durch den Zugang zum All sehr wohl das Potenzial zu einer asymmetrischen Kriegsführung erlangt. Dafür müsste das Land nicht einmal einen Atomsprengkopf ins All schießen und zünden. Eine Fuhre Schrott reicht im Zweifel, um Satelliten in der Erdumlaufbahn zu beschädigen, warnen Experten.

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