Politik : Nordkorea: "Lieber Führer" Kim Jong Il zu Geheimbesuch in China

Harald Maass

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il hält sich zu einem Geheimbesuch in China auf. Der nordkoreanische KP-Chef und selbst ernannte "Liebe Führer" habe am Montag in einem Spezialzug den Grenzort Dandong passiert, hieß es am Dienstag in Berichten von der Grenze und aus diplomatischen Kreisen in Peking. Während des fünftägigen inoffiziellen Arbeitsbesuchs werde Kim Jong Il mit Chinas Staats- und Parteichef Jiang Zemin, Premier Zhu Rongji und anderen hohen Führern Gespräche führen, teilten südkoreanische Diplomaten mit. Einem Bericht der südkoreanischen Zeitung "Joog Ang Ilbo" zufolge wird Kim von einer 20-köpfigen hochrangigen Delegation begleitet - darunter auch von Vizemarschall Jo Myong Rok, der im Oktober zu Verhandlungen in den USA war. Neben den politischen Gesprächen werde Kim die Hafenmetropole Schanghai und die südchinesische Sonderwirtschaftszone Shenzhen bereisen.

Kims Geheimvisite ist der zweite Chinabesuch seit dem Tod seines Vaters und Staatsgründers Kim Il Sung 1994. China ist Pjöngjangs wichtigster Verbündeter und zugleich der größte Lieferant von Erdöl, Kohle und Getreide an das hungernde Land. Kim Jong Il war zuletzt im vorigen Mai in Peking. Der Mai-Besuch bei dem mächtigen Nachbarn wurde von Beobachtern als Vorbereitung für das historische Gipfeltreffen der beiden koreanischen Staatschefs im Juni in Pjöngjang gewertet. Und wie beim letzten Besuch wurde auch jetzt Kims Anwesenheit in China von Peking und der nordkoreanischen Botschaft offiziell nicht bestätigt.

Über die genaue Reiseroute und die Ziele der Reise gibt es nur Spekulationen. Nach Ansicht asiatischer Diplomaten will Kim Jong bei seinem Treffen mit Chinas Führern die mögliche Korea-Politik der kommenden US-Regierung besprechen. Kim könnte mit Peking auch einen möglichen Besuch in Südkorea abstimmen, der als nächster Schritt in der koreanischen Annäherung erwartet wird. Kims Abstecher nach Schanghai und Shenzhen, beides marktwirtschaftliche Modellstädte für Chinas Öffnungspolitik, könnten auch ein Hinweis dafür sein, dass Nordkorea Reformen nach dem chinesischen Vorbild plant.

Diplomatische Beziehungen zu Holland

Wie die nordkoreanische Agentur KCNA am Dienstag berichtete, hat Pjöngjang diplomatische Kontakte mit den Niederlanden aufgenommen. Die beiden Länder hätten bereits am Montag in Den Haag ein Abkommen über die Normalisierung ihrer Beziehungen unterzeichnet. In einer diplomatischen Offensive hatte Pjöngjang im vorigen Jahr Beziehungen zu Großbritannien, Kanada, Italien und Australien aufgenommen. Nordkorea wird damit von acht EU-Staaten bilateral anerkannt. Auch Deutschland verhandelt derzeit mit Pjöngjang über die Normalisierung der Beziehungen.

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