Politik : Nordkorea: Lob aus Seoul für Kim Jong Il

Matthias Meisner

Nach dem China-Besuch des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il rechnet der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung mit einer weiteren Öffnung Nordkoreas. Es gebe gute Chancen, dass sich Kim Jong Il nach seinem sechstägigen Besuch in China in seiner neuen Politik und Denkweise bestärkt sehe, sagte Kim Dae Jung nach einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP am Montag bei einer Regierungsansprache.

Derweil empfahl der frühere PDS-Fraktionschef im Bundestag, Gregor Gysi, den beiden koreanischen Teilstaaten eine Annäherung "in kleinen Schritten". Nach Rückkehr von einer Reise nach Nord- und Südkorea sagte Gysi in Berlin: "Jede Crash-Lösung ist höchst gefährlich." Gysi riet dazu, die Eliten am Vereinigungsprozess unbedingt zu beteiligen. "Eine Annäherung ist nur mit und nicht gegen die Führung Nordkoreas möglich." Gysi äußerte Zweifel daran, dass die Öffnungspolitik nicht nur von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il, sondern von breiten Teilen der Partei- und Armeeführung getragen wird. Allerdings seien die Nordkoreaner sehr an diplomatischen Beziehungen interessiert. Dies sei auch wichtig, um das abgeschottete Land zu öffnen. Derzeit versuche Nordkorea, mit einer Kartoffel-, einer Saat- und Fisch-Revolution die Versorgungsprobleme in den Griff zu bekommen. Die drei Revolutionen sollten dann in einen "Marsch der roten Fahnen" münden.

Trotz fortgesetzter propagandistischer Arbeit der nordkoreanischen Führung rechnet Südkoreas Regierungschef Kim aber damit, dass sich das kommunistische Land vom "Sozialismus alten Stils" abwenden und eine weitere Öffnung zum Westen in Angriff nehmen will. Für das Frühjahr rechne er zudem mit einen Besuch von Kim Jong Il in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, sagte Kim. Mit ihrem ersten Treffen in Pjöngjang hatten die beiden Staatschefs im vergangenen Juni ein Tauwetter zwischen den ehemals verfeindeten Staaten eingeleitet. Kim Il Jong war am vergangenen Dienstag überraschend zum zweiten Mal innerhalb von acht Monaten nach China gereist.

Gysi überbrachte eine Einladung an die PDS-Vorsitzende Gabi Zimmer zum Besuch in Nordkorea. Die dortige Partei der Arbeit habe Interesse an direkten Beziehungen zur PDS. Möglichkeiten dafür sieht Gysi nur eingeschränkt: "Darüber muss in der PDS noch nachgedacht werden. Man muss sehen, dass beide Parteien sehr unterschiedlich sind."

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