Politik : Nordkorea: Pjöngjang sucht den Dialog mit Seoul

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Erstmals seit elf Jahren ist am Montag wieder ein Staatschef aus China nach Nordkorea gereist. Chinas Staatspräsident Jiang Zemin wurde von Nordkoreas Alleinherrscher Kim Jong Il am Flughafen begrüßt. Jiangs dreitägiger Besuch bei dem einstigen sozialistischen Bruder weckt Hoffnungen für den ins Stocken geratenen Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel. Nordkoreas Staatsmedien hatten am Wochenende überraschend angekündigt, die im März unterbrochenen Gespräche mit der südkoreanischen Regierung wieder aufzunehmen. Am Montag habe Nordkorea ein entsprechendes Angebot an das Verbindungsbüro im Grenzort Panmunjom übermittelt, berichtete das südkoreanische Vereinigungsministerium in Seoul.

Jiangs Visite ist der höchste Kontakt zwischen den beiden ehemaligen Kriegsverbündeten seit mehr als einem Jahrzehnt. Jiang Zemin besuchte zuletzt im Jahr 1990 Nordkorea. Damals war Nordkorea einer der wenigen Staaten, die China nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 unterstützten. Jiangs Reise hat für Nordkorea außergewöhnliche Bedeutung. China ist der wichtigste verbliebene Verbündete des isolierten Regimes. Seit 1961 garantiert die Volksrepublik China, die im Koreakrieg mit sogenannten "chinesischen Freiwilligentruppen" an der Seite des kommunistischen Nordens kämpfte, mit einem Militärpakt die Sicherheit Nordkoreas. Seit dem Zerfall des Ostblocks ist Pjöngjang wirtschaftlich abhängig von China, das Erdöl und Kohle zum Freundschaftspreis an den Nachbarn liefert.

Trotz der engen Kontakte ist die traditionelle Freundschaft zwischen Peking und Pjöngjang in den vergangenen Jahren merklich abgekühlt. Chinas Führer haben für den Beton-Sozialismus der Nordkoreaner, der dem Land Hungersnot und Armut brachte, kein Verständnis mehr. 1992 nahm Peking trotz heftiger Proteste Nordkoreas diplomatische Beziehungen zu Südkorea auf. Chinas Handel mit dem Süden übersteigt heute den mit dem Norden um ein Vielfaches. Peking ist bei dem Machtpoker auf der koreanischen Halbinsel die vielleicht einflussreichste Kraft: Vor dem Gipfeltreffen der koreanischen Staatschefs im vergangenen Sommer war Kim Jong Il zu einem Geheimbesuch in Peking. Im Januar reiste er erneut zu Gesprächen nach China. Kim Jong Il braucht dringend mehr Energie und Nahrungsmittel aus China und wird dem Besucher aus Peking deshalb ein offenes Ohr gewähren. In Seoul hofft man darauf, dass Jiang Zemin bei seinem Besuch Kim zu einem zweiten koreanischen Gipfel überreden könnte, der den Friedensprozess wieder in Schwung bringt.

Das südkoreanische Parlament entzog indes dem Vereinigungsminister Lim Dong Won das Vertrauen. Von 267 Abgeordneten sprachen sich am Montag 148 für die Entlassung des ehemaligen Geheimdienstchefs aus. Die Abstimmung gilt als schwerer Schlag für den südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung und seine Politik der Aussöhnung mit Nordkorea. Lim war in die Kritik geraten, weil er vor zwei Wochen einen Besuch von 311 Zivilisten in Nordkorea genehmigt hatte. Während der Reise sollen einige Mitglieder der Reisegruppe die nordkoreanische Regierung gelobt und damit südkoreanische Gesetze verletzt haben.

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