Nordkorea : Signale aus Pjöngjang

Seit Monaten ist Nordkoreas Staatschef Kim Jong-il nicht mehr öffentlich aufgetaucht – Anlass für Gerüchte.

Berhard Bartsch
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Eine "wichtige Erklärung" steht bevor: Um den Gesundheitszustand Kim Jong Ils kursieren Gerüchte. -Foto: AFP

PekingSchon seit Wochen wird über den Gesundheitszustand von Nordkoreas Diktator Kim Jong-il spekuliert, nun erhalten die Mutmaßungen neue Nahrung. Zwei japanischen Medienberichten zufolge plant Pjöngjang für diesen Montag eine „wichtige Ankündigung“. Dabei könne es sich um die Bekanntmachung von Kims Tod, seiner Regierungsunfähigkeit oder eines Putsches handeln, mutmaßten am Wochenende Nordkoreaexperten. Auch eine strategische Neuausrichtung der Politik gegenüber dem Nachbarland Südkorea gilt als möglicher Anlass für die Ankündigung.

Der 66-jährige Staatschef Kim Jong-il war im August aus der Öffentlichkeit verschwunden, angeblich wegen eines Schlaganfalls, wie Südkoreas Geheimdienst erfahren haben will. Auch zur Parade des nordkoreanischen Nationalfeiertags im September war er nicht erschienen. Anfang Oktober hatte Pjöngjangs Staatspresse zwar wieder Fotos des „Geliebten Führers“ verbreitet, die ihn in scheinbar bester Gesundheit zeigen. Aufgrund der sommerlichen Vegetation im Hintergrund hatten Biologen von der Seoul National University allerdings ausgeschlossen, dass die Aufnahmen in den vergangenen Wochen gemacht worden sein könnten.

Das Rätselraten über die angebliche Mitteilung war am Samstag von der japanischen Zeitung „Yomiuri“ ausgelöst worden, der zufolge Pjöngjang alle seine Diplomaten im Ausland angewiesen haben soll, sich für Montag auf eine „wichtige Ankündigung“ vorzubereiten. Kurz darauf verbreitete die Zeitung „Sankei“ eine ähnliche Meldung, die sich auf Quellen im japanischen Verteidigungsministerium berief. Ausländern ist ab Montag die Einreise nach Nordkorea verboten, hieß es darin. Andere Experten mahnen jedoch zur Vorsicht: „Berichte über die Geheimnisse der nordkoreanischen Machtelite erweisen sich in neun von zehn Fällen als falsch“, sagt Andrei Lankov von der Kookmin-Universität in Seoul. „Wenn aber doch einmal echte Informationen an die Außenwelt dringen, haben japanische Medien die Geschichte meist zuerst.“

Auch die Regierung in Seoul maß den Meldungen zunächst keine große Bedeutung zu. Nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap habe es in den vergangenen Wochen keine ungewöhnlichen Truppenbewegungen gegeben, wie es bei einer grundlegenden Umwälzung in der Führung des militärisch regierten Landes zu erwarten wäre. Sei dennoch eine Ankündigung geplant, dürfe die sich eher auf das Verhältnis zu Südkorea beziehen, spekulierten Medien in Seoul. Nordkorea hatte der konservativen Regierung des Nachbarlandes in den vergangenen Tagen wiederholt eine „feindselige Politik“ vorgeworfen.

Sollte Pjöngjang allerdings zu Kriegsrhetorik greifen und mit dem Einsatz seiner Atomwaffen drohen, könnte das Regime einen erst kürzlich errungenen politischen Sieg aufs Spiel setzen: Vor einer Woche hatte die US-Regierung das erzkommunistische Land von seiner Liste der Terror unterstützenden Staaten gestrichen. Im Gegenzug hatte Pjöngjang neuen Inspektionen seiner Nuklearanlagen durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zugestimmt.

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