Nordkorea : Skepsis nach dem Atompoker

In Peking spricht man von einem Durchbruch: Nordkorea will wieder internationale Kontrollen seines Atomprogramms zulassen. Dafür haben auch die USA viel auf den Tisch gelegt. Ob die Vereinbarung wirklich etwas wert ist, bleibt offen.

Peking - "Es war schmerzhaft", sagte Christopher Hill erschöpft in den frühen Morgenstunden, als sich nach einem 16-stündigen Verhandlungsmarathon endlich der Durchbruch anbahnte. "Wir konnten niemals wirklich sicher sein", sagte der amerikanische Unterhändler, der die Unberechenbarkeit seiner nordkoreanischen Gesprächspartner aus leidvoller Erfahrung kennt. Mit der Einigung auf den "Anfang vom Ende" des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms beginnt erst die eigentliche Arbeit. Viele komplizierte Fragen sind nur ausgeklammert. Doch sollte mit der Schließung des einzigen Atomreaktors erst einmal die Produktion von atomwaffenfähigem Material gestoppt werden, betonte Hill: "Es ist jetzt ein 50-Kilogramm-Problem. Wir wollten nicht, dass es ein 100-Kilogramm-Problem wird."

Noch schwierigere Verhandlungen stehen zwangsläufig bevor. "Wir sind noch nicht fertig", weiß auch Hill. "Es sind nur erste Schritte. Wir haben noch einen langen Weg vor uns." Auffallend skeptisch äußerten sich chinesische Experten über die Vereinbarung. Professor Shi Yinhong von der Volksuniversität rätselte über die wahren Absichten Nordkoreas: "Uns fehlen Beweise und die Logik dahinter, um uns zu überzeugen, dass Nordkorea wirklich auf eine Denuklearisierung zusteuert oder warum es jetzt diesen Weg einschlägt." Er mahnte zur Zurückhaltung: "Die Welt kann den Grund dafür nicht wissen, deswegen sollten wir das Ergebnis mit Vorsicht behandeln." Er befürchtet auch, "dass leicht ein Teufelskreis entsteht", wenn zwangsläufig neue Streitpunkte - etwa bei Inspektionen oder der Offenlegung des ganzen Atomprogramms - auftauchen und Zusagen nicht eingehalten werden.

"Es braucht Geduld"

Erstmal sei es nur "ein Stück Papier", sagte der Vizechef der dem chinesischen Außenministerium angegliederten Vereinigung für Rüstungskontrolle, Teng Jianqun. "Es ist ein großer Erfolg, aber es braucht Geduld, um eine endgültige Lösung zu finden." Die Erfüllung der Forderungen für eine endgültige Lösung des Atomkonflikts werde keineswegs leicht fallen. Er erinnerte an die gemeinsame Erklärung vom September 2005, über die schon innerhalb von Tagen Streit ausbrach. Professor Liu Jiangyong von der Qinghua-Universität wiederum sah einen "bedeutenden Schritt". "Im Mittelpunkt der Vereinbarung stand nicht die Lösung aller Probleme, sondern die Absicht, Nordkorea daran zu hindern, seine Tests fortzusetzen und nach dem Atomtest im vergangenen Jahr in die Richtung des Atomwaffenbesitzes zu marschieren", sagte der Experte.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il kann die Vereinbarung erstmal als Geschenk der USA zu seinem 65. Geburtstag am Freitag werten. Immerhin hat der Erzfeind in Washington seinen Widerstand gegenüber direkten Verhandlungen aufgegeben. Nach seinem erfolgreichen Atompoker wird ihm auch noch der Geldhahn wieder aufgedreht. Sein Problem mit den schmerzhaften Finanzsanktionen, die nach chinesischen Schätzungen einen Schaden für Nordkorea in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar verursacht haben sollen, dürfte wohl innerhalb eines Monats gelöst sein, haben ihm die USA versprochen. Ferner sollen andere Sanktionen und Handelshemmnisse fallen.

Die versprochenen Wirtschafts- und Energiehilfen kann sein Land dringend brauchen. Die Vereinbarung verlangt von dem "geliebten Führer" keineswegs, jetzt auch seine Atombomben herauszurücken. Er musste sich nur ausweichend zum fernen Ziel einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel bekennen. Unterhändler Hill räumte ein, dass dafür wohl noch "weitere Abkommen" nötig sein werden. (tso/dpa)

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