Politik : Nordkorea sprengt Kühlturm der Atomanlage von Jongbjon

Berlin - Nordkorea hat wie angekündigt am Freitagmorgen den Kühlturm seiner Nuklearanlage von Jongbjon gesprengt. Wie die chinesische Agentur „Xinhua“ meldete, verfolgten neben mehreren ausländischen Journalisten mindestens ein Gesandter des US-Außenministeriums sowie mehrere US- Ingenieure die Explosion aus etwa 1500 Meter Entfernung. Anschließend konnten die ausländischen Beobachter die Anlage besichtigen.

Der Nuklearkomplex von Jongbjon, rund 60 Kilometer von der Hauptstadt Pjöngjang entfernt, ist die einzige bekannte Plutonium-Produktionsstätte für Nordkoreas Atomwaffenprogramm. Aus ihr stammte das Material für den Atombombentest vom Oktober 2006. Die Zerstörung des Kühlturms ist symbolischer Natur: Das Regime demonstriert damit Willen zur weiteren Annäherung im Streit über sein Atomprogramm. Die ganze Anlage, die zu Sowjetzeiten errichtet wurde, ist ohnehin seit dem vergangenen Jahr nach Gesprächen zwischen Nordkorea, den USA, China, Südkorea, Japan und Russland stillgelegt. Bis zur Schließung des Komplexes soll hier das Material für bis zu zwölf Atomsprengköpfe produziert worden sein.

Am Donnerstag hatte Nordkorea bereits eine – unvollständige – Liste seines Atomprogramms übergeben; ursprünglich hatte ein Abkommen im Rahmen der Sechsparteiengespräche dies für 2007 vorgesehen. Jedoch gingen die Nordkoreaner den Schritt erst nach weiteren Zugeständnissen. US-Präsident George W. Bush kündigte im Gegenzug das Ende einiger Handelssanktionen sowie die Streichung Nordkoreas von der Liste der Terror unterstützenden Staaten innerhalb der kommenden 45 Tage an.

Gary Samore, unter Präsident Bill Clinton für die Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen zuständig, glaubt aber nicht, dass die Nordkoreaner von ihrer Strategie abweichen und sich ernsthaft öffnen werden. Er erwartet, dass sie „Informationshäppchen“ über das Nuklearprogramm im Tausch für wirtschaftliche Unterstützung preisgeben, das Programm aber nicht ganz aufgeben werden. Dies sichere am ehesten das Überleben des Regimes, heißt es auf der Website des Council on Foreign Relations, dessen Vizepräsident Samore ist. cir

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben