Nordkorea : UNO-Kommission klagt Massenmord und Menschenrechtsverletzungen an

Unabhängige Experten werfen dem Regime von Kim Jong Un erschütternde Gräueltaten vor. Doch eine Verfolgung dieser Verbrechen durch den Haager Strafgerichtshof ist kaum wahrscheinlich.

Kim Yong Un Foto: dpa
Wird durch den UN-Bericht scharf kritisiert: Nordkoreas Diktator Kim Yong Un.Foto: dpa

Das Grauen hat einen Namen: Kwanliso. So werden Nordkoreas Straflager genannt, in denen unzählige Menschen verschwinden. Ohne Prozess, ohne Urteil, ohne Wiederkehr. „Ihre Familien werden nicht einmal informiert, nachdem sie gestorben sind“, heißt es im „Bericht der Untersuchungskommission zu den Menschenrechten in der Demokratischen Volksrepublik Korea“.
Am Montag wurde das umfassende Dokument dem UN-Menschenrechtsrat in Genf präsentiert. Es ist eine von zahlreichen Zeugenaussagen gestützte Auflistung grauenvoller Verbrechen des Regimes in Pjönjang gegen weite Teile der eigenen Bevölkerung.
Verbrechen, die der Kommissionsvorsitzende Michael Kirby mit jenen der Nazis vergleicht: „Sie haben für ihre Ziele Terror, Diskriminierung und Vernichtung in Konzentrationslagern angewandt“, sagte der renommierte australische Jurist vor dem UN-Gremium.
„Niemals wieder“ habe die Welt 1945 geschworen. „Niemals wieder“ habe sie auch nach den Apartheid-Verbrechen in Südafrika und dem blutrünstigen Terror der Roten Khmer in Kambodscha gefordert. Dennoch sei die Menschheit im 21. Jahrhundert in Nordkorea mit einer ähnlich „schändlichen Geißel“ konfrontiert.

Alltägliches Morden

Kwanliso - das kann man mit „Hölle auf Erden“ übersetzen. Einer, der sie von innen gesehen hat, ist Ahn Myong Chol. Er war Wärter in einem der Lager, bis er vor Jahren nach Südkorea floh. Seitdem versucht er, die Welt wachzurütteln, indem er berichtet, was in der Kim-„Volksrepublik“ Menschen angetan wird, die als politisch unzuverlässig angesehen werden.

„Da gibt es keine Menschlichkeit“, sagt Ahn Myong Chol vor Reportern. Das Töten sei alltäglich. Er schildert, wie ein Wachmann Gefangene zwang, am Lagerzaun hochzuklettern. Dann habe er sie erschossen - und die Belohnung für einen vereitelten Fluchtversuch kassiert.
Bis zu 120 000 Gefangene müssen nach Erkenntnissen der Kirby-Kommission derzeit in vier Kwanliso-Kolonien Strafarbeit verrichten. Sie seien Folter, Vergewaltigungen und willkürlichen Tötungen ausgesetzt. Ihre Essensrationen seien so bemessen, dass die Arbeitskraft noch eine Weile aufrechterhalten wird, die Menschen aber immer schwächer werden.
Die Chance, das Lager lebend zu verlassen, ist gleich Null. Die Toten werden durch immer neue Häftlinge ersetzt: „Die Kommission schätzt“, heißt es in dem Bericht, „dass in den letzten fünf Jahrzehnten in diesen Lagern Hunderttausende von Menschen umgekommen sind.“ Völlig neu sind diese Vorwürfe nicht, aber nie zuvor waren sie auf eine so gründliche Untersuchung wie jene der Kirby-Kommission gestützt. Und nie vorher ist der „Höchste Führer“ durch eine von den UN berufene Expertenkommission so unverblümt persönlich für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich gemacht worden.

Täter handeln im Auftrag des Regimes

Die Schergen des Regimes, die Folterer und Mörder in den Kwanliso „handeln unter Ihrer persönlichen Kontrolle“, wirft Kirby dem Staatschef Kim Jong Un in einem Brief vor, der dem Bericht beigefügt ist. Konsequent sprach er sich im UN-Menschenrechtsrat dafür aus, dass der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag mit Ermittlungen gegen die nordkoreanische Führung beauftragt wird.
Dennoch müssen Nordkoreas Massenmörder wohl keine Verfolgung durch internationale Staatsanwälte fürchten. Ähnlich wie eine Reihe afrikanischer Staaten lehnt auch die UN-Vetomacht China, die enge Verbindungen mit Nordkorea unterhält, den IStGH ab. Pjöngjang derart an den Pranger zu stellen, ließ das chinesische Außenministerium wissen, sei nicht förderlich für die Menschenrechte in Nordkorea. (dpa)

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