Politik : Nordkorea will Dialog über Raketen erzwingen

Nach Testvorbereitungen nun Gesprächsangebot

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Im Streit zwischen Nordkorea und den USA über geplante Raketentests in dem asiatischen Staat scheint die Diplomatie die Oberhand zu gewinnen. Ein hoher Diplomat Pjöngjangs bei den UN bot an, der Konflikt könne in Gesprächen gelöst werden. In den Tagen zuvor hatten beide Staaten ihre indirekten Drohungen gesteigert. Nordkorea hatte Vorbereitungen eingeleitet, die auf den Start einer Interkontinental- oder einer Weltraumrakete hindeuten. Dies ergab die Analyse von US-Satellitenbildern, die von Nordkorea nicht bestritten wurde. Die USA aktivierten erstmals ihr Raketenabwehrsystem und lösten so Spekulationen aus, sie würden eine nordkoreanische Rakete notfalls abschießen. Südkoreas Ex-Präsident Kim Dae Jong verschob seinen geplanten Besuch in Nordkorea. Die EU forderte Pjöngjang auf, auf Raketentests zu verzichten, andernfalls drohten Konsequenzen. Auch asiatische Länder warnten Nordkorea.

Experten sind sich einig, dass Pjöngjang ein Signal setzen wollte, um die Wiederaufnahme direkter Gespräche zu erzwingen, in denen die USA umfangreiche Nahrungslieferungen und technische Hilfe zusagen, die dem Regime ein Überleben ermöglichen. Nordkorea hatte 1999 in Verhandlungen den Verzicht auf Raketentests zugesagt und dieses Versprechen 2002 gegenüber Japan erneuert. Die USA bestehen darauf, dass Pjöngjang sich daran hält. Nordkorea sagt, es habe die Zusagen unter der Bedingung weiterer Gespräche mit den USA über einen Vertrag gegeben, der den Teststopp sowie die Begrenzung der Produktion und des Exports nordkoreanischer Langstreckenraketen regelt. Diese Verhandlungen gab es zuletzt 2000.

Nordkorea hatte die USA mit den Startvorbereitungen verunsichert. Das Regime behauptet, dass es bereits Atomwaffen besitzt und „Taepodong-2“-Raketen mit 6000 Kilometer Reichweite, mit denen es die Westküste der USA erreichen könnte. Die Drohung des Verkaufs der Raketentechnik an Feinde der USA, etwa Iran, ist ein weiteres Druckmittel. Nordkorea hatte 1998 eine „Taepodong-1“ getestet. Die Rakete war über Japan hinweggeschossen worden und im Pazifik gelandet. Sie gilt als nicht zielgenau, löste in Japan aber Bedrohungsangst aus.

Es ist unklar, ob Nordkorea tatsächlich den Test einer Langstreckenrakete mit höherer Reichweite vorbereitet. Nach Analysen Südkoreas könnte es auch um den Transport eines Satelliten ins All gehen – oder um reine Muskelspiele. Die Gespräche von sechs Nationen mit Nordkorea über sein Nuklearprogramm sind derzeit ebenfalls unterbrochen. Die Gegendrohung der USA mit dem Einsatz ihrer Raketenabwehr gilt allerdings auch nicht überall als glaubwürdig. Es drohe eine Blamage, wenn der Abschussversuch misslingt. Es gab keinen erfolgreichen Test dieses abgespeckten Raketenschutzsystems, das unter Präsident Reagan als „Krieg der Sterne“ Schlagzeilen machte.

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