Politik : Nordkorea will Konfrontation mit dem Süden beenden

Seoul - Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un stimmt überraschend versöhnliche Töne gegenüber Südkorea an. Beide Seiten müssten sich für die Überwindung der Landesteilung starkmachen, sagte Kim in seiner ersten Neujahrsansprache. In Südkorea wurden sie als Geste gegenüber Südkoreas künftiger Präsidentin Park Geun Hye verstanden, die ihrerseits stärker auf das isolierte Nachbarland zugehen will.

Dennoch warnen Beobachter vor allzu großen Erwartungen. Wichtig wäre eine wesentliche Kurskorrektur des stalinistischen Regimes in Pjöngjang, vor allem im Hinblick auf das umstrittene Atomprogramm des Landes. Kims Sprache sei schon eine bedeutende Wende von der Rhetorik der Drohungen, wie sie bisher gegen die scheidende Regierung von Präsident Lee Myung Bak geäußert wurden, kommentierte die Zeitung „The Korea Times“. Das signalisiere, „dass das Regime Parks Angebot für einen Dialog testen könnte“. Aber auch Parks Priorität liegt auf der Schaffung einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel.

Kims Politik zeugte bislang eher von Kontinuität. Ein neuer Beweis dafür war aus der Sicht Südkoreas und der USA der Start einer Weltraumrakete in Nordkorea im Dezember. Der Start sei noch auf den Wunsch seines Vaters Kim Jong Il erfolgt, aus dem Land eine Weltraummacht zu machen, bekräftigte Kim Jong Un jetzt. Im Ausland freilich werden solche Starts als verdeckte Waffentests gesehen.

Eine Änderung der Doktrin militärischer Stärke von Kim Jong Il hatte das Regime schon kurz nach dessen Tod vor einem Jahr ausgeschlossen. Seitdem ist sein Sohn quasi im Schnelldurchgang auf die wichtigsten Posten berufen worden. Er ist wie sein Vater und Großvater Kim Il Sung Parteichef und oberster Befehlshaber der Volksarmee. Daneben ist er erster Vorsitzender der mächtigen Verteidigungskommission. Das erste Jahr seiner Herrschaft habe vor allem der Konsolidierung seiner Macht gedient, glauben Beobachter. Jetzt könnte der junge Kim theoretisch einen Neuanfang in den Beziehungen mit Südkorea und die Umsetzung verschobener wirtschaftlicher Reformen wagen.

Über die politischen Vorstellungen des Regimes tappt die Bevölkerung wie der Rest der Welt allerdings weitgehend im Dunkeln. Regierungsbeamte in Seoul sagen, der Machtübergang sei unerwartet störungsfrei gewesen. Doch ob Kim die volle Kontrolle in dem komplizierten Machtgefüge von Staat, Partei und Militär ausübt, bleibt ungewiss. dpa

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