"Nordkoreanische Schießübungen" : Südkorea kommt nicht zur Ruhe

Das südkoreanische Militär hat am Freitag neue Explosionsgeräusche auf nordkoreanischer Seite gemeldet. Es soll sich um Schießübungen handeln. Am Sonntag plant Südkorea mit den USA ein Seemanöver.

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Am Ort der Zerstörung. Südkoreas Verteidigungsminister Kim Tae Young (Mitte) auf der Insel Yeonpyeong. Der Minister ist am Donnerstag zurückgetreten.
Am Ort der Zerstörung. Südkoreas Verteidigungsminister Kim Tae Young (Mitte) auf der Insel Yeonpyeong. Der Minister ist am...Foto: Reuters

In der angespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel ist das südkoreanische Militär am Freitag durch eine Reihe von neuen Explosionsgeräuschen an der Westküste aufgeschreckt worden.

Das Feuer stamme offensichtlich von Schießübungen der nordkoreanischen Armee auf dem Festland, sagte ein Sprecher des Generalstabs vor Journalisten in Seoul. Es seien weder Granaten auf südkoreanischer Seite der Seegrenze, noch auf nordkoreanischer Seite im Wasser eingeschlagen. „Wir wissen nicht, was es genau war“, sagte ein Beamter des Verteidigungsministeriums.

Nach seinem Artillerieangriff auf eine südkoreanische Insel hat Nordkorea die USA und Südkorea mit scharfen Tönen vor einem gemeinsamen Seemanöver gewarnt. Die koreanische Halbinsel werde durch das geplante Manöver näher an den Rand eines Krieges getrieben, hieß es am Freitag in den staatlichen Medien des kommunistischen Landes. „Kriegslüsterne Elemente“ hätten erneut einen rücksichtlosen Plan für „Kriegsübungen“ entwickelt, die sich gegen Nordkorea richteten.

Nordkoreas Konflikt mit dem Süden
Knapp eine Woche nach dem nordkoreanischen Granatangriff auf südkoreanisches Gebiet beginnt der Süden am 28. November 2010 ein Manöver mit den USA im Gelben Meer nahe der Grenze zu Nordkorea.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: AFP
19.12.2011 07:08Knapp eine Woche nach dem nordkoreanischen Granatangriff auf südkoreanisches Gebiet beginnt der Süden am 28. November 2010 ein...

Die US-Streitkräfte hatten am Mittwoch angekündigt, zusammen mit südkoreanischen Einheiten am Sonntag ein viertägiges Manöver im Gelben Meer zu beginnen. Damit soll einmal mehr militärische Stärke gegenüber Pjöngjang demonstriert werden. Die Ankündigung kam nur einen Tag nach dem Granatenbeschuss der grenznahen Insel Yonpyong vor der Westküste. Bei dem Angriff wurden vier Menschen getötet.
Durch den Zwischenfall waren die Spannungen auf der geteilten Halbinsel eskaliert. Nordkorea hatte im Juli angesichts eines südkoreanisch-amerikanischen Großmanövers mit einem „heiligen Krieg“ und dem Einsatz mit Atomwaffen gedroht.

China bricht sein Schweigen

Die Führung in Seoul stockt ihre Truppen auf und der US-Flugzeugträger „George Washington“ ist für gemeinsame Militärübungen mit Südkorea auf dem Weg in die Region. In dieser explosiven Situation brach die chinesische Führung endlich ihr Schweigen. Regierungschef Wen Jiabao beschrieb die derzeitige Lage bei einem Treffen mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew in Moskau als ernst und kompliziert. „Die internationale Gemeinschaft sollte größere Anstrengungen unternehmen, um die Spannungen abzubauen“, zitierte ihn die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

Wen Jiabao rief die Konfliktparteien zu „äußerster Zurückhaltung“ auf. „China lehnt jede Form von militärischer Provokation ab“, erklärte Wen. Wie bei vorherigen Provokationen durch Nordkorea vermied es Chinas Führung aber, Pjöngjang direkt zu kritisieren oder gar für den Angriff zu verurteilen. Die gewohnt vagen Äußerungen ließen auch Raum für Spekulationen, ob sich Wen auf Nordkoreas Angriff oder das für Sonntag geplante Militärmanöver Südkoreas und der USA bezog.

Sicher ist, dass Chinas Führung wohl mit beidem unzufrieden ist. Aus dem Außenministerium in Peking war so etwas wie Missfallen über eine verstärkte Präsenz der USA vor der koreanischen Halbinsel zu spüren. „Wir haben die relevanten Berichte erhalten und bringen unsere Besorgnis darüber zum Ausdruck“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums am Donnerstag mit Blick auf das Militärmanöver. China befürchtet eine Provokation Nordkoreas durch die Kriegsübung.

Schon nach dem Vorfall um das mit einem Torpedoangriff versenkte südkoreanische Kriegsschiff „Cheonan“ im März hatten Washington und Seoul eine gemeinsame Militärübung geplant. Doch damals konnte China die USA dazu bewegen, nicht an dem Manöver teilzunehmen, um die Stabilität der Region nicht zu gefährden. Südkorea startete die Übung im Mai alleine, Chinas Diplomaten hatten damit eine verstärkte Präsenz der Amerikaner in der Region verhindert. Nordkoreas neuerliche Provokation hat diesen kleinen Erfolg nun zunichte gemacht, der Flugzeugträger „George Washington“ ist auf dem Weg.

Doch auch mit ihrem nordkoreanischen Partner kann Chinas Führung nicht zufrieden sein. Denn Nordkoreas Führung scheint nicht viel auf Pekings Wunsch nach Frieden in Ostasien zu geben und setzt ihre Eskalationsstrategie fort. „Wir werden eine zweite und dritte Runde an Vergeltungsschlägen ausführen, sollten die Kriegstreiber in Südkorea uns erneut rücksichtslos militärisch provozieren“, hieß es in einer Mitteilung des nordkoreanischen Militärs. Darin wurden zudem die USA als eigentlicher Verursacher des Konflikts bezeichnet. Doch trotz des unberechenbaren und aggressiven Vorgehens Pjöngjangs sieht China in einem Zusammenbruch Nordkoreas die eigentlich Bedrohung für die Stabilität in der Region.

Vor allem die USA zeigen sich immer deutlicher unzufrieden über Chinas taktische Zurückhaltung. „Peking muss ein deutliches Signal an Pjöngjang senden, dass es die provokativen Akte gegen Südkorea beenden muss“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums in Washington. Südkorea, das unter dem Schutz der USA steht, kündigte die Aufstockung seiner Truppen auf Inseln entlang der umstrittenen Seegrenze an. „Wir sollten in unserer Wachsamkeit nicht nachlassen und uns auf weitere Provokationen durch Nordkorea vorbereiten“, sagte Präsident Lee Myung Bak. Dieser spürt auch innenpolitischen Druck. Am Donnerstag trat Verteidigungsminister Kim Tae Young zurück. Zahlreiche Abgeordnete hatten der südkoreanischen Militärführung vorgeworfen, zu spät und zu unentschlossen auf den Granatenbeschuss der Insel Yeonpyeong am Dienstag reagiert zu haben, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Bei dem Angriff waren vier Menschen getötet worden. Das südkoreanische Militär hatte nach eigenen Angaben das Feuer aus Nordkorea erwidert.

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