Politik : Nordkoreas Kinder leiden besonders

Ruth Ciesinger

Berlin - Die Ernte war schlecht in diesem Jahr. Allein im Juli hat eine Flut nach Angaben des UN-Welternährungsprogrammes (WFP) in Nordkorea mehr als 90 000 Tonnen Getreide zerstört. Insgesamt, so fürchtet Jean Pierre De Margerie, WFP-Direktor in Pjöngjang, könnten in diesem Jahr fast eine Million Tonnen Reis und Getreide zur Versorgung der rund 23 Millionen Menschen fehlen; mit anderen Worten: Zwischen 15 und 20 Prozent der Grundversorgung wären in Gefahr. Dabei seien schon jetzt etwa 37 Prozent der Kinder chronisch unterernährt, ebenso ein Drittel der Mütter.

Mit Blick auf die kommenden Monate sei er „sehr besorgt“, sagt De Margerie in einem Telefonat. Das WFP arbeitet seit der Hungerkatastrophe Mitte der 90er, bei der Hunderttausende starben, im Land. Bis 2005 versorgte die Organisation rund sechs Millionen Menschen. Doch nachdem die vergangenen zwei Jahre dem isolierten Land ertragreiche Ernten beschert hatten, hatte im Herbst 2005 die stalinistische Führung alle Hilfsorganisationen aufgefordert, das Land zu verlassen, oder den Arbeitsschwerpunkt auf Entwicklung zu legen. Das WFP blieb, erreicht derzeit aber nur eine Million Menschen, wenn sein Programm ganz umgestellt ist, sollen es 1,9 Millionen sein.

Bisher, so De Margerie, hätte vor allem bilaterale Hilfe aus Südkorea und China Ernteausfälle ausgeglichen. Diese sei nach den Raketentests im Juli eingeschränkt worden, der behauptete Nukleartest verschärfe die Lage. Der UN-Mitarbeiter ist zwar froh, dass nach Ansicht aller Beteiligten durch eine Resolution des Sicherheitsrates die Lage der Zivilbevölkerung nicht verschlimmert werden darf. Dennoch appelliert er an die Gebergemeinschaft, das WFP in Nordkorea mehr zu unterstützen. Bisher habe man von den benötigten 100 Millionen Dollar zehn Millionen erhalten, sagt er. „Wenn sich daran nichts ändert, haben wir im Januar kein Essen mehr zu verteilen.“

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