Politik : Nordkoreas Öffnung: Truppen beenden Propaganda

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Das kommunistische Nordkorea ist bereit, Papst Johannes Paul II. zu einem Besuch einzuladen. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il habe einem entsprechenden Vorschlag des südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung bei ihrem historischen Gipfeltreffen in Pjöngjang zugestimmt, sagte ein Präsidentensprecher am Freitag. Kim Jong Il habe nach dem Alter des Papstes gefragt und dann gesagt: "Lassen Sie ihn kommen." Aus dem Vatikan lag zunächst keine Reaktion vor. Südkoreas Außenminister Lee Joung Binn wolle Nordkoreas Absicht dem Vatikan mitteilten, hieß es. Kim Dae Jung, selbst gläubiger Katholik, hatte dem Papst während einer Europa-Reise im März einen Besuch nach Nordkorea nahe gelegt. Der Papst habe damals geantwortet, eine Reise nach Nordkorea wäre ein "Wunder".

Süd- und Nordkorea stellten indessen die jahrzehntelangen gegenseitigen Propaganda-Attacken an der Grenze ein. Südkoreas Verteidigungsminister Cho Sung Tae wies die Truppeneinheiten an der Grenze an, jede Art von Schmähkampagnen über Lautsprecher gegen den Norden zu stoppen. Bereits am Donnerstag wurden auf nordkoreanischer Seite 108 Lautsprecher entlang der etwa 240 Kilometer langen Grenzlinie abgestellt. Damit habe der Süden auf entsprechende Schritte Nordkoreas reagiert.

Seit Jahrzehnten hatten sich beide Seiten an der entmilitarisierten Zone (DMZ) mit Propaganda gegen das jeweilige politische System und Spitzenpolitiker beschallt. Nordkoreas Medien hatten Südkorea bisher als "Marionette der USA" verunglimpft.

Südkoreas Präsident Kim Dae Jung war am vergangenen Dienstag als erster Staatschef seines Landes zum dreitägigen Gipfel in das kommunistische Nachbarland gereist. Beide Staatschefs einigten sich während ihrer Verhandlungen auf Entspannungsmaßnahmen und gemeinsame Schritte zu einer möglichen Wiedervereinigung. Beide Koreas befinden sich seit dem Ende des Korea-Kriegs 1953 nach wie vor formell im Kriegszustand. Ein Friedensvertrag kam bisher nicht zu Stande.

Südkoreas Wirtschaft will nach dem historischen Gipfeltreffen die Investitionen im kommunistischen Norden verstärken. Im Mittelpunkt sollen Infrastrukturprojekte in Nordkorea stehen. Allerdings ist unklar, wie schnell sich das Regime im Norden für ausländische Investitionen öffnen wird. Südkoreas Großkonzerne haben zum Teil seit Jahren fertige Investitionspläne in den Schubladen liegen und wittern nun Geschäfte.

Abwarten werden dagegen die deutschen Unternehmen, für die Südkorea einer der wichtigsten Handelspartner in Asien ist. "Geschäfte mit Nordkorea sind noch immer außerordentlich schwierig", sagt Florian Schuffner von der Deutschen Handelskammer in Seoul. Weil das Regime in Pjöngjang als unzuverlässiger Schuldner gilt, müssen deutsche Unternehmer Geschäfte in Nordkorea ohne staatliche Bürgschaften treiben. 1999 wurde das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Nordkorea auf 150 Millionen Euro geschätzt - ein Bruchteil vom deutschen Handel mit dem Süden.

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