Exklusiv: Größte Generalstaatsanwaltschaft Deutschlands will keine Beschneidungsrichtlinie

10.08.2012 14:44 Uhr
  • Am 07. Mai 2012 fällte das Landgericht in Köln ein folgenschweres Urteil: Es wertete die Beschneidung eines muslimischen Jungen als Körperverletzung. Der ausführende Arzt wurde zwar nicht verurteilt. Unter Juden und Muslimen herrscht seither aber Unsicherheit. Wer Beschneidungen durchführt macht sich nämlich dem Urteil zufolge im Prinzip strafbar. Es entspann sich eine Debatte über die Grenzen der Religionsfreiheit. Foto: dpa
    Am 07. Mai 2012 fällte das Landgericht in Köln ein folgenschweres Urteil: Es wertete die Beschneidung eines muslimischen Jungen als Körperverletzung. Der ausführende Arzt wurde... - Foto: dpa
  • Die Richter argumentierten, in der Bewertung überwiege das Grundrecht eines Kindes auf körperliche Unversehrtheit. Die Eltern sollten abwarten, bis das Kind alt genug sei, um sich selbst für den Eingriff zu entscheiden. Foto: dapd
    Die Richter argumentierten, in der Bewertung überwiege das Grundrecht eines Kindes auf körperliche Unversehrtheit. Die Eltern sollten abwarten, bis das Kind alt genug sei, um sich... - Foto: dapd
  • Das Entfernen der Vorhaut ist im Judentum und dem Islam Tradition. Im jüdischen Glauben wird der Eingriff acht Tage nach der Geburt vorgenommen. Im Islam erfolgt die Zeremonie später. Das Bild zeigt eine Beschneidung in Istanbul im Jahr 2009. In Deutschland werden Beschneidungen meist von Ärzten vorgenommen. Foto: dpa
    Das Entfernen der Vorhaut ist im Judentum und dem Islam Tradition. Im jüdischen Glauben wird der Eingriff acht Tage nach der Geburt vorgenommen. Im Islam erfolgt die Zeremonie... - Foto: dpa

Anders als in Berlin und Baden-Württemberg wird es in Nordrhein-Westfalen keine einheitliche Richtlinie für Staatsanwälte im Umgang mit Knabenbeschneidungen geben.

„Anweisungen zur Bearbeitung der Verfahren werden hier nicht erarbeitet oder angestrebt“, sagte Martin Botzenhardt, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Hamm dem Tagesspiegel.  Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Beschneidungen seien im Bereich der Behörde bislang nicht bekannt geworden. Die „aktuell diskutierten und vielschichtigen Rechtsfragen“ hätten daher keiner abschließenden Prüfung bedurft. „Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang auch, dass die strafrechtliche Bewertung sich jeweils an den Umständen des konkreten Einzelfalls orientieren muss“, erklärte Botzenhardt.

Mit mehr als neun Millionen im Bezirk der Generalstaatsanwaltschaft  lebenden Menschen ist sie die größte in Deutschland. Jährlich werden dort rund eine halbe Million Ermittlungsverfahren bearbeitet. (Tsp)

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