Politik : Noriega will um seinen Ruf kämpfen

Der vor 15 Jahren inhaftierte Diktator Panamas wird vorzeitig aus dem Gefängnis in den USA entlassen

Michael Schmidt

Berlin - Der in den USA seit 15 Jahren inhaftierte frühere Machthaber von Panama, Manuel Antonio Noriega, wird im September aus dem Gefängnis entlassen. Das teilte sein Anwalt Frank Rubino mit. Wie Rubino dem Tagesspiegel erklärte, werde Noriega in seine Heimat zurückkehren, um mit seinen Enkeln zu spielen und sich gegen den Vorwurf des Mordes zur Wehr zu setzen. Geht es allerdings nach der Regierung Panamas, wird der in dem zentralamerikanischen Staat in über 20 Verfahren in Abwesenheit zu Haftstrafen in einer Gesamthöhe von mehr als 60 Jahren verurteilte Noriega direkt beim Überqueren der Grenze den Strafvollzugsbehörden überstellt.

Anders als etwa im Falle von Ex-Diktator Augusto Pinochet in Chile entzündeten sich an Person und Wirken Noriegas in Panama kaum identitätsstiftende nationale Debatten, sagt Annika Oettler vom Giga-Institut für Lateinamerika-Studien in Hamburg. Doch sei der Name des Mannes, der wegen seines pockennarbigen Gesichts auch „die Ananas“ genannt wird, im kollektiven Gedächtnis mit dem historisch wichtigsten Ereignis der jüngeren Geschichte Panamas verbunden: als Vorwand und Anlass für die US-Invasion 1989. Noriega, der das Land als Chef einer Geheimdienstabteilung des Militärs (G-2) von 1983 bis 1989 regierte, ohne dass er je das Amt des Präsidenten innegehabt hätte, diente der CIA und dem US-Verteidigungsministerium, für die er Dossiers über Oppositionelle anlegte. Warum die USA ihm Ende der 80er Jahre die Freundschaft aufkündigten und ihn festnahmen, sei unklar, sagt Oettler. Vielleicht, weil er dem Ansinnen der USA im Wege gestanden habe, erneut die Kontrolle über den Panama-Kanal zu erlangen. Vielleicht aber auch, weil seine Verbindungen zum Drogenhandel und organisierten Verbrechen untragbar geworden seien. Was auch immer der Grund war – in Panama werde die US-Invasion bis heute als unrechtmäßig empfunden, sagt Oettler. Nach US-Angaben kamen damals bis zu 600 Zivilisten ums Leben, Menschenrechtsorganisationen gehen von bis zu 5000 Opfern aus. Die Wahrheitskommission, die zwei Diktaturen Panamas untersucht hat, habe ganze 70 extralegale Hinrichtungen und 40 Fälle von verschwundenen Personen gezählt: „Diese Dimensionen zeigen, warum die Invasion ein so wichtiges Ereignis für die Panamaer ist“, sagt Oettler.

Noriega wurde 1992 in Florida unter anderem der Beteiligung am Rauschgiftschmuggel für schuldig befunden und zu 40 Jahren Haft verurteilt. 1999 verkürzte ein US-Richter die Haftzeit auf 30 Jahre. Bei guter Führung und unter Anrechnung seiner der Verurteilung vorausgegangenen Haftzeit kann Noriega seine Freilassung noch in diesem Jahr beantragen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben