Norkorea : Gebrochenes Herz

Die Meldung versetzte in Staunen: Ein stalinistischer Führer entschuldigte sich beim Volk.

Daniel Kestenholz

Bangkok - Genau das soll sich in Nordkorea ereignet haben, wo sich der „Liebe Führer“ Kim Jong Il nach einer desaströsen Währungsreform mit einer beispiellosen Entschuldigung ans Volk gewendet habe. Nach der Währungsreform von Ende November, die zum Kollaps des Won führte und den Preis des Grundnahrungsmittel Reis ums Fünfzigfache in die Höhe schnellen ließ, sagte Kim nach Berichten, sein „Herz“ sei „gebrochen“, dass Menschen nur noch „gebrochenen Reis“ essen könnten; Reis, der in anderen Ländern als Abfall gilt. Er habe den Schwur von seinem gottgleich verehrten Vater Kim Il Sung gebrochen, dass Menschen immer genug weißen Reis, Brot, Nudeln und Fleischsuppe hätten. Dem war im jüngeren Nordkorea noch nie so, doch die Lage gilt als noch ernster, seit die radikale Währungsreform das schon so spärliche Vermögen praktisch aller Nordkoreaner auslöschte.

Nullen wurden gestrichen und Maximalbeträge festgelegt, womit eine Familie nicht mehr als umgerechnet rund 40 US-Dollar an Privatvermögen besitzen durfte. Durch das abgeschottete Land rollte eine noch nie da gewesene Welle des Zorns. Wer immer über die Jahre mittels List oder durch hartes Sparen etwas Geld beiseite gelegt hatte, war wieder mausarm. Mit der Zerstörung des Kapitals wurden nicht nur die sogenannten Bauernmärkte ausgelöscht, die bessere Schwarzmärkte waren, wo Menschen zwar alles kaufen konnten, was in Staatsläden immer fehlte. Doch die Märkte stellten auch die Autorität der Behörden in Frage und gehörten beseitigt.

Auf der Suche nach Schuldigen wurde jetzt ein hoher Finanzbeamter gefeuert, doch nach Gewährsleuten sei die Währungsreform im Namen von Kim Jong Un erfolgt, dem dritten Sohn und möglichen Thronfolger des dynastischen Führers Kim Jong Il.

Derweil ist Nordkorea isoliert wie nie. Vor einem Jahrzehnt erhielt das Reich noch starke humanitäre Hilfe aus dem Ausland. Der größte Geber, Südkorea, lieferte letztes Jahr gerade mal noch Hilfe über 37 Millionen Dollar, verglichen mit 209 Millionen Dollar 2007. Skrupellosigkeit gegenüber dem eigenen Volk und Erpressung des Auslands, gegen Geld wieder die Annäherung zu suchen, haben ausgespielt. Diktator Kim Jong Il scheint verletzbar wie nie. Daniel Kestenholz

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