Norwegen : Energie aus dem Norden

Außenminister Frank Steinmeier sieht die Zukunft der deutschen Energieversorgung in Norwegen. Doch beide Länder bekennen sich auch zum Kampf gegen den Klimawandel.

Steinmeier
Energieversorgung gesichert. Außenminister Steinmeier will Öl und Gas zukünftig vorwiegend aus Norwegen beziehen. -Foto: dpa

TromsöBundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) setzt auf eine wachsende Bedeutung Norwegens als Energielieferant für Deutschland. Um das Ziel einer größeren Vielfalt bei den Lieferanten von Öl und Gas zu erreichen, sei es im deutschen Interesse, "dass Norwegen einen möglichst großen Teil davon übernimmt", sagte Steinmeier bei seinem Besuch im nordnorwegischen Tromsö. Er verwies dabei auf die besonders hohe Verlässlichkeit Norwegens. Zuvor hatte er gemeinsam mit seinem norwegischen Kollegen Jonas Gahr-Störe einen Energieworkshop mit Spitzenvertretern der Energiebranche beider Länder geleitet.
  
Bei dem Treffen ging es auch um die technische Zusammenarbeit bei der Erschließung neuer Öl- und Gasfelder im Nordpolarmeer. Deren Nutzung wird in den kommenden Jahren leichter möglich sein, da aufgrund der weltweiten Erwärmung das Polareis immer weiter zurückgeht. Experten gehen davon aus, dass die Eisdecke über dem Nordpol bis zum Jahr 2050 zumindest im Sommer vollständig verschwunden sein könnte. Diese neuen Perspektiven sind auch Anlass für konkurrierende Ansprüche der Polar-Anrainerstaaten, die Russland kürzlich für seine Seite mit dem Setzen einer russischen Flagge direkt unter dem Nordpol spektakulär unterstrichen hatte. Gahr-Störe unterstrich in diesem Zusammenhang die Gültigkeit internationalen Rechts, an der solche Aktionen nichts änderten.
  
Steinmeier und Gahr-Störe versicherten, dass die deutsch-norwegische Zusammenarbeit bei Öl und Gas nicht im Widerspruch zum entschiedenen Willen beider Länder stehe, den Klimawandel zu bekämpfen und erneuerbare Energien weiter auszubauen. Wie Deutschland bekennt sich auch Norwegen zu verbindlichen Zielen für den CO2-Abbau und strebt bis 2050 eine ausgeglichene CO2-Bilanz an. "Selbst wenn wir noch so ehrgeizig vorgehen, bleibt es dabei, dass auch ein Bedarf an fossilen Energieträgern weiter bestehen wird", sagte aber Steinmeier. Gahr-Störe verwies auf norwegische Bemühungen, die Abscheidung und unterirdische Lagerung von CO2 voranzubringen.
  
Steinmeier will am Dienstag zur norwegischen Arktisinsel Spitzbergen weiterreisen, um sich dort über den Stand der internationalen Klimaforschung zu informieren und die internationale Zusammenarbeit dazu voranzubringen. Die Reise ist bereits der dritte Besuch Steinmeiers in Norwegen seit seinem Amtsantritt 2005. (mit AFP)

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