Norweger Breivik : Der Mörder plädiert auf „nicht schuldig“

Der Norweger Breivik hat den Doppelanschlag von Norwegen gestanden, lehnt eine strafrechtliche Verantwortung aber ab. Er nennt Fremdenhass als Motiv. Die Polizei korrigiert die Zahl der Opfer auf 76 statt 93 Tote.

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Auf dem Weg zum Haftrichter. Anders Behring Breivik muss vier Wochen in völliger Isolation verbringen.
Auf dem Weg zum Haftrichter. Anders Behring Breivik muss vier Wochen in völliger Isolation verbringen.Foto: AFP

Drei Tage nach dem Doppelanschlag in Norwegen hat der festgenommene Verdächtige die Tat gestanden, eine strafrechtliche Verantwortung aber abgelehnt. Der 32-jährige Anders Behring Breivik habe bei seinem ersten Haftprüfungstermin am Montag auf „nicht schuldig“ plädiert, sagte der zuständige Richter Kim Heger in Oslo. Zum Motiv habe er angegeben, er habe sein Land vor dem Islam und dem Marxismus verteidigen und der sozialdemokratischen Arbeiterpartei größtmöglichen Schaden zufügen wollen. Breivik sagte ferner, er habe mit den beiden Anschlägen „ein kräftiges Signal“ an das Volk geben wollen.

Der Richter setzte eine achtwöchige Untersuchungshaft für Breivik an – doppelt so viel wie üblich. Dies hatten die Ermittler beantragt, um mehr Zeit für die Aufklärung der Tatumstände zu haben. Die ersten vier Wochen der Untersuchungshaft soll er in vollkommener Isolation verbringen, um die Ermittlungen der Polizei nicht zu stören. Von dem Attentäter gehe weiter ein großes Risiko aus, erklärte ein Gerichtssprecher. Breivik sprach während des Termins vor dem Haftrichter von „zwei weiteren Zellen in unserer Organisation“. Er soll nach Ankündigung von Polizeiankläger Christian Hatlo rechtspsychiatrisch auf seine Zurechnungsfähigkeit untersucht werden.

Am Abend gedachten allein in Oslo mindestens 100 000 Menschen mit einem Trauerzug der Opfer. „Heute Abend sind die Straßen voller Liebe“, rief Kronprinz Haakon den Menschen zu. Seine Frau Mette-Marit hatte bei dem Angriff auf das Ferienlager auf der Insel Utöya einen Stiefbruder verloren.

Breivik war am Freitag festgenommen worden. Dem Norweger wird vorgeworfen, am Freitag im Osloer Regierungsviertel eine Bombe gezündet und anschließend auf einer Insel 68 Jugendliche erschossen zu haben – insgesamt kamen bei den Anschlägen 76 Menschen ums Leben. Die norwegische Polizei hatte am Montag vorherige Angaben zur Opferzahl nach unten korrigiert. Die am Wochenende genannte Zahl von 93 Toten sei der schwierigen Situation bei der Informationsbeschaffung vor Ort geschuldet.

Kurz vor den Anschlägen hatte Breivik sein 1500 Seiten umfassendes Pamphlet nach Tagesspiegel-Informationen gezielt an mehrere hundert E-Mail- Adressen von Rechtsextremisten in Europa und den USA geschickt. Sicherheitskreise berichteten am Montag, Breivik habe am Freitag zwischen 14.08 Uhr und 14.18 Uhr das Manifest an rechtsextreme Gruppierungen gesandt. Eine Stunde später explodierte die Bombe in Oslo. Zu den Adressaten zählten auch deutsche Rechtsextremisten. Breivik habe das Manifest an die NPD-Zentrale in Berlin sowie an Mail-Adressen der Partei in Erfurt, Aschaffenburg und Unna geschickt, sagten Sicherheitsexperten dem Tagesspiegel. Ein Funktionär der Partei beteuerte, es sei keine entsprechende E-Mail eingegangen. Weitere Empfänger waren nach Angaben aus Sicherheitskreisen Gruppierungen wie der „Nationale Widerstand Dortmund“ und die Partei „Bürger in Wut“. Derzeit gebe es aber keine Hinweise, dass Breivik Kontakte zu deutschen Rechtsextremisten unterhalten habe.

Die EU-Kommission forderte schärfere Kontrollen für den Verkauf von bombentauglichen Chemikalien. „Heute ist es viel zu einfach, Substanzen aufzutreiben, die auch Grundstoffe für selbstgemachte Bomben sind“, schrieb EU-Kommissarin Cecilia Malmström in einem Blogeintrag. Es handele sich um einen Vorschlag aus dem Vorjahr. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verurteilte unterdessen eine Mahnwache der islamfeindlichen Vereinigung „Pro Deutschland“ vor der Norwegischen Botschaft in Berlin. mit dpa/rtr

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