NPD : Hilfe für inhaftierten Finanztrickser

Der Fall Kemna erregt weiterhin die Gemüter in der NPD. Dabei geht es nicht nur um das finanzielle Chaos, das der wegen Untreue zum Nachteil der NPD zu einer Haftstrafe verurteilte Ex-Bundesschatzmeister hinterlassen hat.

Frank Jansen

Berlin - Mehrere NPD-Funktionäre haben sich in Gesprächen mit dem Tagesspiegel darüber empört, dass Erwin Kemna trotz schweren Verdachts, und bereits in Untersuchungshaft sitzend, noch im Sommer 2008 auf Hilfe von Parteimitgliedern rechnen konnte. Der Vizevorsitzende der NPD in Nordrhein-Westfalen, Stephan Haase, habe Kemnas Verteidigern 20 000 Euro überwiesen, sagt Udo Pastörs, Chef der NPD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und Kandidat für den Posten des Vorsitzenden der Bundespartei beim bevorstehenden Sonderparteitag. Der wurde wegen der Kemna-Affäre notwendig und soll Anfang April in Berlin stattfinden.

„Dass Haase gezahlt hat, steht für mich fest, und es ist nicht das Einzige“, betont Pastörs. Zuvor seien 20 000 Euro vom NPD-nahen Deutsche-Stimme-Verlag an Haase geflossen, die er noch aus einer offenen Rechnung zu bekommen hatte. Pastörs: „Selbstverständlich kann Herr Haase über das Geld selbst bestimmen, jedoch hat das Ganze einen seltsamen Beigeschmack“. Allein die Vorstellung, Kemna sei mit „Geld von Kameraden“ unterstützt worden, obwohl sich abzeichnete, dass er der NPD schwer geschadet hatte, sei „unerträglich“. Pastörs will den Fall beim Sonderparteitag zur Sprache bringen, „denn ich will saubere Verhältnisse in der NPD“.

Härter noch äußern sich weitere Funktionäre, die allerdings namentlich nicht genannt werden wollen. Sie verdächtigen Parteichef Udo Voigt, er habe die finanzielle Hilfe für seinen langjährigen Freund Kemna initiiert. Von einem „unglaublichen Vorgang“ sprechen selbst Funktionäre, die wenig Neigung verspüren, Pastörs im Machtkampf um den Chefposten der Partei zu unterstützen.

Die Geschichte könnte Voigts Position auf dem Parteitag zusätzlich belasten. Pastörs und viele weitere NPD-Mitglieder halten Voigt vor, er habe Kemna zu wenig kontrolliert und sei für das Desaster mitverantwortlich. Im September 2008 hatte das Landgericht Münster den Ex-Schatzmeister wegen der Veruntreuung von über 740 000 Euro aus der Parteikasse zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Weitere Verfahren sind anhängig, auch gegen Voigt wird ermittelt.

Der Parteichef gibt sich jedoch kämpferisch, auch bei Fragen zu finanzieller Hilfe für Kemnas Verteidigung. „Der Vorwurf ist Quatsch, dass ich meinem alten Kumpel helfen wollte“, sagt Voigt. Ansonsten werde er sich „zu derartigen Dingen“ nur auf dem Parteitag äußern, „nicht gegenüber den Systemmedien“. Stephan Haase gibt keine Auskunft und verweist auf das „gespannte Verhältnis“ der NPD zur Presse. Kemnas Verteidiger berufen sich auf ihre Schweigepflicht, sie vermitteln auch keinen Kontakt zum inhaftierten Mandanten. Doch Jens Pühse, Geschäftsführer des Deutsche-Stimme-Verlags und Bundesorganisationsleiter der NPD, äußert sich. Ja, Haase habe rund 20 000 Euro bekommen, „die standen ihm zu“. Pühse hatte Haases „Donner Versand“ übernommen. „Was Haase mit dem Geld gemacht hat“, behauptet Pühse, „war seine Sache.“

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