Politik : NPD-Politiker unerwünscht: Hotelmanager bekommt Preis

Berlin - Für sein ungewöhnliches Engagement gegen die rechtsextreme NPD erhält der Geschäftsführer des Holiday Inn Dresden, Johannes Lohmeyer, dieses Jahr den Ehrenpreis der deutsch-israelischen Gesellschaft Aachen. Lohmeyer hatte im Oktober dem Chef der sächsischen NPD- Fraktion Holger Apfel und dessen Vize Alexander Delle mitgeteilt, dass sie als Gäste im Hotel unerwünscht seien. Für seinen Brief an die Rechtsextremen erhielt Lohmeyer auch Rückendeckung vom Hotel- und Gaststättenverband.

Der Vorsitzende der deutsch-israelischen Gesellschaft Aachen, Axel Holst, nennt Lohmeyers Initiative „beispielhaft“. „Wir wollen Johannes Lohmeyer den Ehrenpreis für sein couragiertes und mutiges Auftreten und Eintreten verleihen“, sagte Holst dem Tagesspiegel. Lohmeyer habe ein Zeichen gesetzt. Und genau dafür sei der Preis der deutsch-israelischen Gesellschaft Aachen gedacht: für Verdienste um den Staat Israel und für den Kampf gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Für Menschen, die Zivilcourage gezeigt hätten, so wie Lohmeyer. Der Preis wird seit 2005 vergeben, bisherige Preisträger waren Iris Berben und Hans Koschnick. Die 2500 Euro Preisgeld gehen an die israelische Rettungsorganisation Roter Davidstern. Sponsor ist die Aachener Firma Zentis.

Lohmeyer hatte in dem Brief, für den er geehrt werden soll, seinem Erstaunen Ausdruck verliehen, dass Apfel und Delle „ausgerechnet ein amerikanisches Hotelunternehmen mit ausländisch klingendem Namen bevorzugen“. Da Apfel und Delle in seinem Haus „nicht willkommen“ seien und „ich es auch meinen Mitarbeitern nicht zumuten kann, Sie zu begrüßen und zu bedienen“, habe man die Reservierungswebsite hotel.de gebeten, die Buchung zu stornieren. Sollte das aus vertraglichen Gründen nicht möglich sein, hatte Lohmeyer hinzugefügt, „darf ich Sie darauf hinweisen, dass ich sämtliche in unserem Haus durch Sie getätigten Umsätze unmittelbar als Spende an die Dresdner Synagoge weiterleiten werde. Betrachten Sie es als kleinen Beitrag zur Wiedergutmachung für die Schäden, die Ihre damaligen Gesinnungsgenossen der Synagoge und vor allem ihren früheren Besuchern zugefügt haben.“ Laut Holst hat Lohmeyer zugesagt, den Preis anzunehmen. Er soll spätestens im Dezember verliehen werden. babs

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