NRW-Minister : "Eine Stadt stellt sich vor ihre Muslime"

Der Integrationsminister von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, über die Tage von Köln.

Pro Köln existiert schon lange, einen echten, auch überregionalen Erfolg hatten sie erst mit dem Kölner Moscheestreit. Auch die Kölner CDU war gegen die Ditib-Moschee. Was ist da schiefgelaufen?

Zunächst einmal: Man darf über eine Moschee streiten, über ihre Größe, die Parkplätze ringsum, die Höhe der Minarette. Etwas anderes ist es, mit diesem Thema den gesamten europäischen Rechtsradikalismus nach Köln zu ziehen, wie Pro Köln dies getan hat.

Gegen den Islam zu sein, Muslimen zu misstrauen, das ist aber, wie der Moscheestreit gezeigt hat, ein Thema, das bis weit in die Gesellschaft hinein Sympathien hat. Ralph Giordano nannte die Moschee Symbol eines Angriffs auf die Demokratie.

Und er hat gesagt, der Islam sei nicht integrierbar in diese Gesellschaft. Es ist gut, dass er sich recht bald von Pro Köln distanziert hat. Dass er das Klima in Köln verschärft hat, stimmt leider auch.

Wie sehen Sie die Lage nach diesem Wochenende?

Pro Köln hat doppelt verloren: Sie sind entlarvt als keineswegs bürgerliche, sondern rechtsradikale Gruppe. Ein breiter bürgerlicher Widerstand hat klargemacht: Ihr passt nicht zu Köln. Das war auch keine Minderheitendemonstration: Es waren Taxifahrer dabei, die Wirte der Altstadt haben „Kein Kölsch für Nazis“ auf ihre Bierdeckel geschrieben. Es ist außerdem klar geworden, dass viele Menschen weder Angst vor den bei uns lebenden Muslimen haben noch Hass gegen sie empfinden. Zum ersten Mal übrigens. Wann hat es das schon einmal gegeben, dass sich eine ganze Stadt in Deutschland schützend vor ihre Muslime stellt?

Das Gespräch führte Andrea Dernbach

Armin Laschet (CDU) ist seit 2005 Integrationsminister in Nordrhein-Westfalen – der erst und bisher einzige deutsche Landesminister, der diese Aufgabe schon im Namen seines Amts hat.

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