NS-Kriegsverbrechen : Demjanjuk klagt weiter gegen Abschiebung

Das Gezerre um den mutmaßlichen KZ-Wächter John Demjanjuk nimmt kein Ende. Sein Anwalt John Broadley beantragte jetzt einen Abschiebestopp beim Obersten US-Gerichtshof.

WashingtonBroadley begründete die Einlage abermals mit dem Gesundheitszustand seines Mandanten. Das US-Justizministerium wird nach den Erwartungen von Beobachtern gegen den Antrag vorgehen.

Im März hatte das Amtsgericht München einen Haftbefehl gegen Demjanjuk erlassen. Dem gebürtigen Ukrainer wird Beihilfe zum vielfachen Mord vorgeworfen. So soll er im Jahre 1943 als Wachmann der SS im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen an der Tötung von mindestens 29.000 Personen beteiligt gewesen sein.

Die USA, wo der 89-Jährige heute lebt, haben ihm inzwischen rechtskräftig die Staatsangehörigkeit entzogen und beabsichtigen, ihn ins Ausland abzuschieben. Deutschland hatte die Bereitschaft erklärt, den mutmaßlichen Kriegsverbrecher aufzunehmen, um ihm den Prozess zu machen.

Beim Gang durch die Instanzen war Demjanjuk bisher unterlegen. Erst am vergangenen Freitag hatte ein US-Berufungsgericht den Abschiebestopp nach Deutschland aufgehoben. Die Richter wiesen das Argument von Demjanjuks Sohn zurück, wonach der Flug nach Deutschland Folter gleichkomme und das Leben seines kränkelnden Vaters bedrohe.

Zudem hatte das Berliner Verwaltungsgericht gestern einen Eilantrag Demjanjuks abgeschmettert. Seine Rechtsvertreter hatten angeführt, dass die Bundesrepublik verpflichtet sei, die Überstellung zu verhindern. (rf/Reuters)


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