NS-Verbrechen : "Dr. Tod" doch nicht tot?

Nach den Enthüllungen über den Tod des NS-Kriegsverbrechers und KZ-Arztes Aribert Heim, melden sich nun die ersten Zweifler an der Geschichte: "Wir haben kein Grab, wir haben keine Leiche, wir haben keine DNA", heißt es als Begründung.

Heim
Aribert Heim -Foto: dpa

StuttgartDer Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Ephraim Zuroff, zweifelt die Berichte über den angeblichen Tod des NS-Kriegsverbrechers Aribert Heim an. "Wir haben kein Grab, wir haben keine Leiche, wir haben keine DNA", sagte Zuroff am Donnerstag in Jerusalem auf Anfrage. Er hege den Verdacht, dass der in Baden-Württemberg lebende Heim-Sohn Rüdiger die ganze Sache orchestriert und die Informationen an die Medien gegeben habe.

Die "New York Times" und das ZDF hatten zuvor berichtet, dass der frühere KZ-Arzt bereits am 10. August 1992 im Alter von 78 Jahren in Kairo an den Folgen eines Krebsleidens gestorben sein soll. Er soll dort unter dem Tarnnamen Tarek Farid Hussein in einem Hotel gelebt haben.

Dass Heim in Ägypten lebte, war bekannt

Zuroff sagte, vor fünf Monaten habe Rüdiger Heim noch gesagt, dass er keinen Kontakt zu seinem Vater gehabt habe. "Entweder hat er damals gelogen oder er lügt heute." Aus seiner Sicht beweisen die Angaben nur, dass Heim in Ägypten gelebt hat. Dies sei aber bekannt gewesen.
  
Die zuständigen Ermittlungsbehörden in Baden-Württemberg haben nun offizielle Untersuchungen angekündigt. Der Tod von Heim könne vorerst noch nicht amtlich bestätigt werden, sagte auch ein Sprecher des Landeskriminalamts in Stuttgart. "Wir werden versuchen, Überreste des Leichnams zu finden", betonte der LKA-Sprecher.
 
Heim wurde wegen des Mordes an hunderten Gefangenen des in Österreich gelegenen Konzentrationslagers Mauthausen während des Zweiten Weltkrieges gesucht. Auf der Liste der meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher des Simon-Wiesenthal-Zentrums steht er an erster Stelle. Heim war 1962 untergetaucht und wurde per Haftbefehl gesucht. Jahrelang wurde er in Südamerika vermutet. Für den Fall sind die Staatsanwaltschaft und das Landgericht in Baden-Baden zuständig, da er dort seinen letzten Wohnsitz vor seiner Flucht hatte. (mpr/dpa/AFP)

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