NS-Vorwurf : Bahn will Jüdische Gemeinde verklagen

Die Deutsche Bahn prüft juristische Schritte gegen den Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, der Konzernchef Hartmut Mehdorn mit einem Nazi verglichen hatte. Hintergrund für den Unmut ist die mobile Ausstellung "Zug der Erinnerung".

BerlinDer Bahn-Vorstand hate die Äußerungen des Geschäftsführers der Jüdischen Gemeinde "mit Empörung und Fassungslosigkeit" aufgenommen, erklärte das Unternehmen. Mehdorn sprach im Namen des Vorstands von "ungeheuerlichen Vorwürfen", die sich "von selbst" disqualifizierten. "Die Äußerungen sind unverzeihlich, und wir werden es den Juristen überlassen, diese zu bewerten."

Der Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs, Michael Szentei-Heise, hatte Berichten zufolge bei der Eröffnung der mobilen Ausstellung "Zug der Erinnerung" am Sonntag in Düsseldorf gesagt, Mehdorn sei innerlich ein "Nazi". "Wenn Herr Mehdorn im Dritten Reich in derselben Position gewesen wäre wie heute, hätte er mit großer Überzeugung Deportationen angeordnet", fügte Szentei-Heise laut "Rheinischer Post" hinzu. Hintergrund ist der Unmut der Ausstellungs-Organisatoren über die Trassengebühren und Stationsgebühren — also Gebühren für die Nutzung der Schienen und Gleise, während der Fahrt und in den Bahnhöfen —, die ihnen von der Bahn für den "Zug der Erinnerung" berechnet werden. Die mobile Ausstellung erinnert an die Deportation von Kindern und Jugendlichen in der NS-Zeit und thematisiert in diesem Zusammenhang auch die Rolle der damaligen Reichsbahn.

Der Bahn-Vorstand verwies mit Blick auf die heftig umstrittenen Äußerungen von Szentei-Heise darauf, dass viele Menschen in der Öffentlichkeit wüssten, wie sich die Deutsche Bahn gerade in der Amtszeit von Mehdorn mit der Vergangenheit der Deutschen Reichsbahn kritisch auseinandergesetzt habe. Als Beispiele seien die Dauerausstellung zur Rolle der Reichsbahn in der NS-Zeit im Nürnberger DB-Museum und die aktuell gezeigte Wanderausstellung "Sonderzüge in den Tod - die Deportationen der Deutschen Reichsbahn" zu nennen, ebenso die Unterstützung der Bahn für weitere Projekte wie den Film "Der letzte Zug" von Arthur Brauner. Zugleich erinnerte der DB-Vorstand an den freiwilligen Beitrag des Konzerns für die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft". (nal/AFP)

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