Politik : NS-Zwangsarbeiter: Beratung über Entschädigung

Die katholischen Bischöfe haben am Montag in Würzburg mit ihren Beratungen über eine mögliche Entschädigung von früheren NS-Zwangsarbeitern in Kirchendiensten begonnen. Der Sekretär der Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, wies dabei zum Auftakt des Treffens den Vorwurf des CDU-Bundestagsabgeordneten Hermann Kues zurück, die Bischofskonferenz habe zunächst die Beschäftigung von Zwangsarbeitern geleugnet. "Das ist Quatsch", sagte Langendörfer. Der Sprecher der Bischofskonferenz, Rudolf Hammerschmidt, bestätigte, dass den Bischöfen zur Beratung eine Dokumentation über 30 bis 40 Fälle von Zwangsarbeit vorliege. Sie seien von den Orden und Diözesen zusammengestellt worden.

Der Direktor der Katholischen Kommission für Zeitgeschichte, Karl-Joseph Hummel, sagte im Inforadio Berlin, die katholische Kirche habe Zwangsarbeiter nicht "flächendeckend" eingesetzt. Dies habe sich nach rund vier Wochen Recherche in Archiven von über 30 000 Einrichtungen ergeben, so Hummel. Gemessen an der Gesamtzahl von 7,6 Millionen beschäftigten Zwangsarbeitern in Deutschland im Jahr 1944 sei der Anteil der bei der katholischen Kirche tätigen Fremdarbeiter verschwindend gering gewesen. Die Evangelische Kirche in Österreich forscht unterdessen ebenfalls über den Einsatz von Zwangsarbeitern.

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé will sich an der Entschädigung von Zwangsarbeitern und anderen NS-Opfer beteiligen. Nestlé will umgerechnet rund 30 Millionen Mark zu den 2,5 Milliarden Mark beisteuern, die die Schweizer Banken im Juli mit NS-Opferverbänden vereinbart hatten. Das erklärte die Nestlé-Gruppe am Montag in Vevey. Die Summe solle weltweit alle Rechtsansprüche abdecken. Außerdem sollen Nestlé-Filialen in Deutschland und Österreich frewillig in die jeweiligen Zwangsarbeiterentschädigungsfonds einzahlen.

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