• NS-Zwangsarbeiter: Grünen-Politikerin Nickels appelliert an Bischof Lehmann - Katholiken sollten sich beteiligen

Politik : NS-Zwangsarbeiter: Grünen-Politikerin Nickels appelliert an Bischof Lehmann - Katholiken sollten sich beteiligen

Ch.B.

Die kirchenpolitische Sprecherin der Grünen, Christa Nickels, hat die katholische Kirche aufgefordert, sich aus "humanitären und moralischen Gründen" am Entschädigungsfonds für NS-Zwangsarbeiter zu beteiligen. "In dieser Sache dürfen die Katholiken nicht abseits stehen", sagte sie dem Tagesspiegel. In einem Brief an den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, bat sie auch darum, sich intensiv mit diesem Thema auseinander zu setzen. "Das bisherige Schweigen finde ich betrüblich, auch einige Bemerkungen waren peinlich." Eine Antwort auf ihr Schreiben gibt es noch nicht.

Nach Ansicht von Nickels ist das Verhalten der Erzdiözese Berlin vorbildlich. Gleich nachdem bekannt geworden war, dass in der Hauptstadt während des Krieges Zwangsarbeiter beschäftigt wurden, habe diese Aufklärung versprochen. "Ich wünsche mir, dass dieses Beispiel Schule macht." Das Erzbistum Berlin sollte ein Signalgeber für die kommende Vollversammlung der deutschen Bischöfe Ende August sein.

Wie bereits berichtet, gibt es inzwischen sichere Erkenntnisse, dass die katholische Kirche Zwangsarbeiter eingesetzt hat. Nach einem Bericht der ARD-Sendung "Monitor" gab es zum Beispiel im Kloster Ettal mehrere osteuropäische "Fremdarbeiter".

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, wies unterdessen Kritik zurück, die evangelische Kirche und ihre Diakonie habe sich erst im Juli dazu bereit erklärt, dem Entschädigungsfonds beizutreten. Dies sei Unsinn. "Wir haben durchweg positive Reaktionen erhalten", sagte Kock. An die zahlungsunwilligen Unternehmen appellierte er, sich an der Entschädigung zu beteiligen. Wer sich jetzt an der Stiftung beteilige, komme nicht zu spät.

Die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft versucht inzwischen, mit Telefonanrufen etwa 200 Großunternehmen doch noch für eine Beteiligung am Entschädigungsfonds zu gewinnen. An der Aktion beteiligen sich Spitzenmanager der Gründungsunternehmen wie DaimlerChrysler, Siemens und Deutsche Bank. Angesprochen werden Firmen mit einem Jahresumsatz zwischen einer und zehn Milliarden Mark.

Die Reaktionen seien gemischt, sagte der Sprecher der Initiative, Wolfgang Gibowski, dem Tagesspiegel. Einige Firmen lehnten weiterhin eine Beteiligung ab, andere signalisierten ihre Bereitschaft mitzumachen. Mehrere Betriebe hätten angekündigt, ihren Beitrag zu erhöhen. Noch fehlen der Wirtschaft 1,8 Milliarden Mark der versprochenen fünf Milliarden Mark. Weitere fünf Milliarden Mark stellt der Bund zur Verfügung.

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