Politik : NS-Zwangsarbeiter: "Wettlauf mit der Zeit"

Die ersten Entschädigungen für ehemalige NS-Zwangsarbeiter könnten nach Einschätzung des Generalbeauftragten der Zwangsarbeiter-Stiftung, Günter Saathoff, im März 2001 gezahlt werden. Voraussetzung ist, dass bis dahin Rechtssicherheit erreicht ist und die letzten Sammelklagen gegen die deutsche Wirtschaft Anfang 2001 in den USA abgewiesen werden. Angesichts des hohen Alters der Nazi-Opfer und der engen Fristen für die Anträge "wird die Entschädigung zu einem Wettlauf mit der Zeit", sagte Saathoff. "Die ganze Energie der Stiftung konzentriert sich auf die Auszahlung."

Bei den Partnerorganisationen in den mittel- und osteuropäischen Staaten und der Internationalen Organisation für Migration liegen laut Saathoff inzwischen einige hunderttausend Anträge auf Entschädigung vor. In Berlin sind bis jetzt 7000 eingegangen. Die ehemaligen Zwangsarbeiter erhalten je nach Zugehörigkeit zu einer Opfergruppe 5000 oder 15 000 Mark.

Staat und Wirtschaft zahlen in den Fonds jeweils fünf Milliarden Mark ein. Die Acht-Monats-Frist für die Anträge läuft seit Inkrafttreten des Gesetzes Mitte August. Sie kann mit Zustimmung des Kuratoriums auf zwölf Monate verlängert werden, wovon schon einige Länder Gebrauch gemacht haben. Die Stiftung dränge massiv auf Öffentlichkeitsarbeit und stelle dafür 15 Millionen Mark zur Verfügung. Manch ein Betroffener habe noch gar nicht erfahren, dass er einen Antrag stellen kann, sagte Saathoff. Die Auszahlung der Entschädigungen solle "so sicher, so schnell, so opferfreundlich und so preisgünstig wie möglich erfolgen".

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