NSA-Affäre : Public Private Partnership

Breite Schultern, harte Worte: Obamas Männer für die Geheimdienste wehren sich gegen Vorwürfe aus Europa. Sie könnten niemanden betrügen, der selbst betrügt, lautet ihre Botschaft. Die Bundesregierung schickt Abgesandte nach Washington – um ein Abkommen gegen Spionage zu schließen.

von , und Christoph von Marschall
Die deutsche Delegation der Geheimdienste will in Washington ein Abkommen gegen Spionage erzielen.
Die deutsche Delegation der Geheimdienste will in Washington ein Abkommen gegen Spionage erzielen.Foto: AFP

Er stützt die Arme auf die Lehne, beugt den Oberkörper nach vorn. Sein Gesicht, in dem die randlose Brille und der Bart kaum auffallen, ist ernst, fast ausdruckslos. Er sitzt im US-Kongress an einem Tisch, hinter ihm Publikum, vor ihm Mike Rogers, republikanischer Ausschussvorsitzender, keiner, der als Geheimdienstkritiker gilt. Eigentlich soll es um die Arbeit der NSA in den USA gehen, aber auch die Europäer werden erwähnt bei der Anhörung. Nur nicht so, wie sie sich das vielleicht vorgestellt haben. Clappers Miene kann kaum missverstanden werden: Was soll diese Aufregung um ausspionierte Staats- und Regierungschefs? In Worten drückt er das so aus: „Das ist eines der ersten Dinge, die ich 1963 in der Geheimdienstschule gelernt habe.“ Was er meint? Dass man Staatschefs ausspioniert, um zu erfahren, ob Reden und Handeln im Einklang stehen.

Heute ist James Clapper kein Schüler mehr. Im Gegenteil. Er koordiniert die 16 amerikanischen Geheimdienste. Und er verteidigt am Dienstag deren Arbeit vor dem US-Kongress. Neben ihm sitzt hochdekoriert Keith Alexander, der Chef des Geheimdienstes NSA. Einer von Clappers Untergebenen sozusagen. In sechs Reihen zieren Orden seine Uniform und er findet, seine Spione seien die besten der Welt.

Die beiden schalten auf Angriff. Sie werfen den Europäern zuallererst Heuchelei vor. Die wüssten doch sehr genau, wie das Geschäft laufe, und außerdem, spionierten sie doch selbst. Clapper vergleicht die Aufregung mit jener Szene aus dem Filmklassiker „Casablanca“, als sich der korrupte Polizeichef Louis Renault künstlich darüber aufregt, dass im Nachtclub „Rick’s Café“ illegales Glücksspiel stattfindet. „Ich bin schockiert – schockiert!“, ruft Renault. Jetzt rufen die Europäer, wie schockiert sie sind, höhnt Clapper. Es ist die Art, wie in Geheimdienstkreisen returniert wird: hart, aber durchaus elegant.

Nun müssen die Europäer, allen voran die Deutschen, diesen Rückschlag annehmen, aufnehmen und in einen Konter umwandeln. Aber wie macht man das, wenn man derart in der Defensive ist? Ein hartes Dementi? Nein. Eher ein weiches. Der Bundesnachrichtendienst will selbst nichts sagen, verweist auf frühere Äußerungen des BND-Chefs Gerhard Schindler, wonach sein Dienst die amerikanische Regierung nicht ausspähe. Regierungssprecher Steffen Seibert bleibt auch vage. Der BND handele nach Recht und Gesetz. Den Casablanca-Vergleich von Clapper hat Seibert gar nicht mitbekommen. Aber selbst wenn. Die Deutschen wollen nicht hart zurückschlagen. Womit auch? Sie wollen jetzt vor allem reden. Und über das Reden reden. Nur das Gesagte nicht weiter kommentieren. Kompliziert? Es ist eigentlich ganz einfach.

7 Kommentare

Neuester Kommentar