NSA-Überwachung : Snowden: Russland und China hatten nie Zugang zu Unterlagen

Edward Snowden brachte den NSA-Skandal ins Rollen. Nun versichert er, keine seiner Unterlagen chinesischen oder russischen Behörden zugänglich gemacht zu haben. Dass er sich so lange nicht zu ihrem Verbleib äußerte, habe einen anderen Grund gehabt.

Der Whistleblower Edward Snowden. Foto: dpa
Der Whistleblower Edward Snowden.Foto: dpa

Der Informant Edward Snowden, der den Skandal um ausufernde Internetüberwachung auslöste, hat nach eigenen Worten keine geheimen Dokumente nach Russland mitgenommen. Er habe im Juni in Hongkong vor der Weiterreise nach Russland alle Unterlagen an Journalisten übergegeben, erklärte Snowden in einem am Freitag veröffentlichten Interview der „New York Times“. Er habe keine Kopien behalten. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Russen oder Chinesen irgendwelche Dokumente bekommen haben, liegt bei null Prozent“, betonte Snowden.

Er habe sich nur so lange nicht zum Verbleib der Dokumente geäußert, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit der Behörden auf die Journalisten zu lenken, sagte Snowden. Der Journalist Glenn Greenwald und die Filmemacherin Laura Poitras, die Snowden in Hongkong interviewt hatten, gelten als die Einzigen, die vollen Zugang zu den gesamten Unterlagen haben. Er sei sich sicher, dass auch chinesische Agenten während seines Aufenthalts in Hongkong keinen Zugriff auf die Dateien gehabt hätten.

Die Enthüllungen des Edward Snowden - eine Chronologie
Aktion "Ein Bett für Snowden": Aktivisten werben am 05.06. vor dem Kölner Dom für Asyl für den Whistleblower Edward Snowden in Deutschland. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
1 von 62Foto: dpa
10.06.2014 09:55Aktion "Ein Bett für Snowden": Aktivisten werben am 05.06. vor dem Kölner Dom für Asyl für den Whistleblower Edward Snowden in...

Aus seiner Tätigkeit für die NSA könne er deren Fähigkeiten einschätzen, betonte Snowden. Zum Ende seiner Zeit bei dem US-Abhördienst sei China sein Fachgebiet gewesen. Er sei kein Überläufer, sondern ein Informant, der Gesetzesverstöße aufdecken wolle.

Das Interview wurde im Laufe mehrerer Tage über verschlüsselte Online-Kommunikation geführt. Snowden erklärte, er lebe nicht unter Kontrolle der russischen Behörden und könne sich frei bewegen. Er hatte Asyl in Russland beantragt, nachdem er im Juni für mehrere Wochen im Transitbereich eines Moskauer Flughafens gestrandet war.

Snowden betonte, die Entscheidung, NSA-Dokumente zu veröffentlichen, sei langsam gewachsen. Er habe sich zum Handeln entschieden, als er einen geheimen Bericht aus dem Jahr 2009 über ein unberechtigtes NSA-Abhörprogramm während der Präsidentschaft von George W. Bush entdeckt habe.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben