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NSA und GCHQ : Geheimdienste knacken Handy-Verschlüsselung

Die amerikanische NSA und der britische Geheimdienst GCHQ haben laut den jüngsten Enthüllungen von Edward Snowden Codes von Handy-SIM-Karten gestohlen. Der Hersteller Gemalto gerät jetzt unter Druck.

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NSA und GCHQ sollen Codes von Handy-SIM-Karten gestohlen haben.
NSA und GCHQ sollen Codes von Handy-SIM-Karten gestohlen haben.Foto: dpa

Der US-Abhördienst NSA und sein britischer Gegenpart GCHQ haben laut der neuesten Snowden-Enthüllung in großem Stil Verschlüsselungscodes für Handy-SIM-Karten gestohlen. Laut geheimen Unterlagen aus dem Jahr 2010 sei der Kartenhersteller Gemalto ins Visier genommen worden, berichtete die Enthüllungs-Website "The Intercept" am Donnerstag. Die mit Hacker-Methoden erbeuteten Schlüssel zu den SIM-Karten ermöglichten es, ohne Wissen des betreffenden Landes oder der Provider die Kommunikation von Nutzern zu überwachen.

Gemalto, Hersteller von rund zwei Milliarden SIM-Karten im Jahr - unter anderem für Vodafone und T-Mobile - , zeigte sich sehr besorgt. Jetzt sei das Wichtigste zu verstehen, wie der Angriff passieren konnte, um eine Wiederholung zu verhindern, sagte Gemalto-Manager Paul Beverly "The Intercept". Der französische Hersteller Gemalto hat sein Büro in Amsterdam und ist an der Amsterdamer Börse notiert, wie die niederländische Tageszeitung "de Volkskrant" auf ihrer Website schreibt.

Analysten der Rabobank machten sich große Sorgen über den digitalen Einbruch bei Gemalto, schreibt "de Volkskrant". Es gehe nun um die Reputation des Betriebs, dessen Aktienkurs heute um fünf Prozent gesunken war, der größte Verlust an der Amsterdamer Börse am heutigen Geschäftstag. Gemalto werde es unter Umständen schwer haben, neue Geschäfte abzuschließen. Es könne auch sein, dass Gemalto gezwungen werden könnte, die betreffenden SIM-Karten zu ersetzen - ein kostspieliges Unternehmen.

"Sind nicht Schoßhund der Amerikaner"

Eine beunruhigende Operation nennt Bart Jacobs, Professor für Computersicherheit an der Radboud Universität in Nimwegen, den Vorgang. "Die Technik ist beeindruckend. Es ist die gleiche Kategorie wie der Angriff auf "Diginator" vor vier Jahren: Eindringen in einen Sicherheitsbetrieb, um die Sicherheit bei allen Kunden auszuhebeln", zitiert ihn "de Volkskrant. Da die niederländischen Geheimdienste eng mit den amerikanischen und britischen zusammenarbeiten, will der Abgeordnete Gerard Schouw von der liberalen Partei D66 nächste Woche von Innenminister Ronald Plasterk, in dessen Geschäftsbereich die Zuständigkeit für die Geheimdienste fällt, Aufklärung im Parlament.

Es sei verblüffend, dass ein befreundeter Dienst in den Niederlanden Spionage betreibe, sagte er "de Volkskrant". Auf der Nachrichtenwebsite nu.nl sagte Innenminister Plasterk, dass die niederländischen Dienste nicht die "Schoßhunde der Amerikaner" seien. Sie hielten sich streng an die niederländischen Gesetze. Genau das will der Abgeordnete Schouw nächste Woche im Parlament genauer wissen.

Die Website "The Intercept" wertet die Unterlagen aus, die der Informant Edward Snowden bei der NSA herunterlud. Er hatte die Dateien im Juni 2013 den Journalisten um den Enthüllungsreporter Glenn Greenwald übergeben; seitdem werden sie häppchenweise veröffentlicht. (Mit dpa)

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