Update

NSU-Prozess : Wohlleben bestreitet Beschaffung der Mordwaffe

Im NSU-Prozess hat nach Beate Zschäpe nun auch der mutmaßliche Terrorhelfer Ralf Wohlleben ausgesagt. Gewalttaten traute er Mundlos und Böhnhardt nicht zu.

Der als Terrorhelfer angeklagte Ralf Wohlleben hat im NSU-Prozess sein Schweigen gebrochen.
Der als Terrorhelfer angeklagte Ralf Wohlleben hat im NSU-Prozess sein Schweigen gebrochen.Foto: dpa/Andreas Gebert

Der mutmaßliche NSU-Terrorhelfer Ralf Wohlleben will von der Gewaltbereitschaft seiner damaligen Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nichts gewusst haben. Das Verhalten der beiden habe keinen Anlass gegeben, zu vermuten, dass sie mal schwere Straftaten begehen würden, sagte Wohlleben am Mittwoch im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht.

Wohlleben bestritt das Beschaffen der NSU-Mordwaffe. Er sei nicht vermittelnd tätig geworden oder habe in irgendeiner Form Aufträge zum Beschaffen der Pistole vom Typ Ceska erteilt, sagte Wohlleben. Mit der Waffe wurden neun Migranten erschossen.

Wohlleben räumte aber ein, nach dem Untertauchen des NSU-Trios - Böhnhardt, Mundlos und Beate Zschäpe - Kontakt zu den dreien gehabt zu haben. Es sei zu mehreren Telefonaten gekommen. In einer Wohnung in Chemnitz habe er sie dann zum ersten Mal wiedergetroffen. Später sei es zu weiteren Treffen gekommen.

Wohlleben berichtete ausführlich, wie sich die rechte Szene in den neunziger Jahren in Jena formierte. Damals habe er Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt kennengelernt, sagte der 40-Jährige. Mit Zschäpe habe man gut und lange reden können. Sie sei schlagfertig, witzig und ihm sehr sympathisch gewesen. Eine Schlüsselrolle bei der Formierung der verschiedenen Gruppierungen - insbesondere des „Thüringer Heimatschutzes“ - sprach Wohlleben Tino Brandt zu, der damals V-Mann des Verfassungsschutzes war.

Wohlleben sagte, er habe schon Mitte der neunziger Jahre nichts gegen Ausländer gehabt - sondern gegen die Politik, die den Zuzug von Ausländern fördere. In Frankfurt am Main habe er damals den Eindruck gehabt, dass es da Stadtviertel gebe, in denen keine Deutschen mehr leben. Das habe er nicht für Jena gewollt, argumentierte Wohlleben.

Die Bundesanwaltschaft wirft Wohlleben Beihilfe zum Mord in neun Fällen vor. Er soll die Waffe für den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) beschafft haben, mit dem später neun Migranten erschossen wurden. Wohlleben sitzt wie Zschäpe seit 2011 in Untersuchungshaft. Zschäpe muss sich als Mittäterin an sämtlichen Verbrechen verantworten, die dem NSU angelastet werden, darunter auch der Mord an einer Polizistin und zwei Bombenanschläge.

Wohlleben hatte am Mittwoch angekündigt, aussagen zu wollen. Im Gegensatz zu Zschäpe sprach er selbst. Die Hauptangeklagte Zschäpe hatte am Mittwoch vergangener Woche ihr jahrelanges Schweigen gebrochen und eine lange Aussage verlesen lassen. Darin bestritt sie jede Beteiligung an den zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen des NSU und schob die Schuld allein ihren toten Freunden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zu. (dpa)

Eine Chronik des NSU-Prozesses finden Sie hier.

17 Kommentare

Neuester Kommentar