Politik : Nürnberger Mütchen

CSU-Generalsekretär Söder langt gern derb hin – in der CSU gefällt das nicht allen, aber Stoiber mag ihn

Henry Stern[München]

Richtig rund läuft es für CSU-Generalsekretär Markus Söder derzeit wirklich nicht: Erst kürzlich war bekannt geworden, dass der smarte Nürnberger einen Teil der Transparente, die den politischen Aschermittwoch der CSU in Passau schmückten, höchstpersönlich in Auftrag gegeben hatte – darunter eines mit dem ambitionierten Schlachtruf „Söder statt Schröder“. Vor allem CSU-intern war dieser Schwindel für ihn ein mittleres Desaster – scheint er doch die in der Partei schon lange schwelende Auffassung zu bestätigen, dieser Mann würde für den politischen Erfolg selbst seine Großmutter verhökern.

Und nun folgte Söders Spruch vom „Kartell der Schuldigen“ für den Sexualmord an einem neunjährigen Jungen in München – zu dem nach Ansicht des CSU-Generals wegen fortgesetzter Untätigkeit auch Bundeskanzler Gerhard Schröder zu zählen ist. Das Echo für den 38-Jährigen ist verheerend. Die SPD- Landtagsopposition beklagt die „Verrohung der politischen Sitten“. Die Grünen empfehlen CSU-Chef Edmund Stoiber gar, „den politischen Geisterfahrer aus dem Verkehr zu ziehen“. Und die Münchner Boulevardzeitung „tz“ montiert ihm unter der Schlagzeile „Söders Tiefschlag“ wie einem Hooligan einen riesigen Baseballschläger in die Hand.

Doch trotz des heftigen Gegenwindes denkt Söder überhaupt nicht daran, klein beizugeben: Der Angriff auf Schröder sei „zugegebenermaßen etwas zugespitzt“ gewesen, erklärt er der „Augsburger Allgemeinen“. Doch auch dies gehöre zu seinen Aufgaben als „General“. Dass er nun dafür geprügelt werde, sei politisches Tagesgeschäft: „Da muss ich durch.“

In der Tat gibt Söder seit seinem Amtsantritt im Herbst 2003 eine Interpretation des Generalsekretärs, die selbst in der CSU aus der Mode gekommen zu sein schien – die des giftigen „Wadlbeißers“. Für eine bundesweite Schlagzeile wird dabei kein Tabubruch ausgelassen: Mal will er „schlechten Eltern“ das Kindergeld kürzen, mal verlangt er „einen Aufschrei der Muslime“ in Deutschland, am Mittwoch machte er die Bundesregierung gar für die sinkende Geburtenrate verantwortlich.

Mit gezielten Provokationen macht man sich natürlich nicht nur Freunde – doch Aufmerksamkeit bekommt man damit allemal. Gerade die CSU ist mit dieser Polarisierungsstrategie stets gut gefahren. Und für den ambitionierten Söder gilt hier offenbar: Was gut ist für die Partei, ist auch gut für mich. Dass der parteiinterne Gegenwind – auch namhafte CSU-Leute gehören zu den Söder-Gegnern – ihm gefährlich werden könnte, braucht er dabei nicht zu befürchten, steht er doch unter dem persönlichen Schutz des Parteichefs. „Ein Generalsekretär muss nicht immer ein Diplomat sein“, teilte Edmund Stoiber deshalb am Mittwoch mit Blick auf die jüngste Kritik gütig mit. Auch dass das kalkulierte Gepolter bei Karrieresprüngen zur Imagebelastung werden könnte, ist kaum zu befürchten – schließlich hat ihm sein politischer Ziehvater Stoiber vorgemacht, wie schnell man sich vom „blonden Fallbeil“ zum großen Landesvater wandeln kann.

Andere sind da weniger milde: Die drei Fraktionen im bayerischen Landtag wollen in der Debatte über mögliche Konsequenzen aus dem Sexualmord in München auf gegenseitige persönliche Vorwürfe verzichten. Darauf verständigten sich die Fraktionschefs bei einem Gespräch mit Landtagspräsident Alois Glück (CSU). Glück äußerte sich zuversichtlich, dass es im Landtag zu keinen personifizierten Schuldzuweisungen kommen wird – eine Ohrfeige für Söder.

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