Politik : Nummern fürs Konto

Schweizer Kantone versteigern Autokennzeichen – ein Vorbild?

Alexander Visser

Deutschlands Stadtkämmerer müssen kreativ sein. Um die leeren Kassen aufzufüllen, lassen sich die Kassenwarte immer neue Spartricks einfallen. Auch wenn nicht jede Sparidee aufgeht, wie im Falle des Münchner Rathauses (siehe Bericht oben), werden auch die ungewöhnlichsten Modelle geprüft. So könnte auch ein Modell aus der Schweiz in Deutschland Schule machen: Hier werden Kfz-Kennzeichen mit besonders beliebten Buchstaben- und Zahlenkombinationen nicht einfach gegen Gebühr vergeben, sondern auf Auktionen versteigert.

So war zum Beispiel ein Autohausbesitzer im Kanton Aargau bereit, für das prägnante Nummernschild AG 25 den Spitzenbetrag von umgerechnet 48 000 Euro hinzublättern. Insgesamt hat Aargau auf den bisher vier Versteigerungen umgerechnet 1,37 Millionen Euro eingenommen. Besonders Fahrer prestigeträchtiger Karossen wünschen sich zum stilvollen Fahrzeug auch ein elegantes Nummernschild. In Deutschland werden Wunschkennzeichen bundesweit gegen eine Gebühr von 10,20 Euro vergeben. Die Berliner Zulassungsbehörden vergeben jährlich rund 23 000 Wunschkennzeichen und nehmen so etwa 600 000 Euro ein. „Kombinationen mit B-MW und Schnapszahlen sind besonders beliebt“, sagt Rainer Kotecki, Leiter der Zulassungsstelle in Hohenschönhausen. Mit Auktionen ließen sich die Einnahmen vermutlich weiter steigern.

„Da könnte man durchaus drüber nachdenken“, sagt ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. Aber der Bund sei für die Änderungen der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung nicht zuständig. Um Auktionen einzuführen, müssten die Kommunen die Länder für eine Gesetzesänderung gewinnen. Die Länder könnten die Änderung dann im Bund-Länder-Fachausschuss für Verkehr beschließen. Beim deutschen Städtetag hat man von dem Schweizer Modell noch nichts gehört. „Soweit ich weiß, hat noch niemand darüber nachgedacht, das in Deutschland einzuführen“, sagt eine Sprecherin.

In Thailand ist man schon weiter. Weil für Kennzeichen mit glücksverheißenden Zahlen unter der Hand hunderte Dollar gezahlt wurden, hat die Regierung offizielle Auktionen eingeführt. Das Geld soll beim Finanzminister und nicht mehr in den Taschen korrupter Beamter landen. Dieses Übel scheint es in Berlin nicht zu geben. Selbst Rainer Kotecki, der Leiter der Zulassungsstelle, konnte sein Traumkennzeichen nicht haben, erzählt er. Die Kombination aus Initialen und Geburtsjahr war schon vergeben.

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