Politik : Nun geht es um die Zukunft

Wie viel Geld übrig ist – und wer es bekommt

Alice Bota

670 Millionen Euro haben die Deutschen vor zwei Jahren für die vom Tsunami getroffenen Regionen gespendet. Ein Teil liegt noch auf den Konten, denn die großen Hilfsorganisationen haben auf Jahre vorausgeplant. Fast zwei Drittel des Geldes floss nach Angaben des Zentralinstituts für soziale Fragen damals ans Deutsche Rote Kreuz (DRK), Unicef, Katastrophenhilfe Diakonie, Caritas International und zehn zur „Aktion Deutschland hilft“ zusammengeschlossene Organisationen.

Das DRK hat von 124,6 Millionen Euro 56 Millionen ausgegeben, wie es vorrechnet. Schwerpunkte sind der Bau von Häusern und die Katastrophenvorsorge. „Allein in Indonesien ereignen sich jährlich 100 Katastrophen wie Erdrutsche, Dürre, Stürme und Erdbeben“, sagt Sprecherin Roya Rönck. In den nächsten Jahren will das DRK in Indonesien 3000 Häuser bauen. Mit den Geldern unterstützt es mit Bangladesch auch ein nicht direkt von der Welle betroffenes Land. Das geht, denn das Geld wurde für ganz Südasien gesammelt.

Caritas International hilft auch jenseits der betroffenen Küsten. „Die materielle Hilfe ist sehr gut gelaufen. Aber in vielen Gebieten befürchten wir soziale Konflikte“, sagt Sprecher Armin Reinke – wenn die Küstenbewohner zwar gut versorgt sind, die Menschen im Landesinneren aber nicht. Die Caritas hat für die kommenden drei Jahre noch 21 Millionen Euro. 2007 bekommen Indonesien und Indien je mehr als vier Millionen Euro, Sri Lanka 2,7. In diese Länder steckt auch das Aktionsbündnis „Deutschland hilft“ das meiste Geld. Man wolle dort vor allem Häuser und Schulen bauen und Strukturen schaffen, damit die Bewohner auch dann für sich sorgen können, wenn die Hilfsorganisationen wieder gehen. 90 Prozent der 125 Millionen sind ausgegeben oder verplant, sagte Maria Rüther, Sprecherin des Bündnisses.

Die Kinderhilfsorganisation Unicef habe noch knapp 47 Millionen Euro, teilte Sprecher Rudi Tarnede mit. Der größte Teil – 26,7 Millionen Euro – geht an Indonesien. Dort sollen 227 Gesundheitsstationen und 350 erdbebensichere Schulen gebaut werden. Bisher sind nur zehn fertig. Knapp zwölf Millionen fließen nach Sri Lanka, für das Gesundheitssystem und 28 neue Schulen. Die Diakonie Katastrophenhilfe hat 84 Prozent der rund 44 Millionen Spendengelder ausgegeben. „Wir sind aber noch weit davon entfernt, das auszugleichen, was der Tsunami zerstört hat“, sagt Sprecher Thomas Hoerz. Unterstützt wird vor allem Indien – bisher mit 13 Millionen Euro–, vor Indonesien und Sri Lanka. 2007 sollen Häuser gebaut und Maßnahmen für Verdienstmöglichkeiten gefördert werden. Noch immer müssen Werkzeuge ersetzt und Boote repariert werden. Man wolle auch Projekte zur Anpassungen an den Klimawandel unterstützen – etwa Mangroven an Küsten pflanzen. Sie sollen die Wucht von Stürmen und Flutwellen bremsen, die die Küstenländer Asiens künftig immer häufiger treffen werden.

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