Politik : Nun wird die Erinnerung gebaut

Dem Holocaust-Mahnmal steht nichts mehr im Wege – am Freitag will Bundestagspräsident Thierse den Beginn verkünden

Werner van Bebber

Mehrmals schon hat Bundestagspräsident Wolfgang Thierse bekannt gegeben, dass der Bau des Holocaust-Mahnmals in der Mitte Berlins begonnen habe. Einmal hatte sich Thierse sogar in einem großen Bagger fotografieren lassen, mit Schutzhelm auf dem Kopf – doch der Bau des Denkmals aus 2700 Stelen verzögerte sich immer wieder. Mehrfach überarbeitete der amerikanische Architekt Peter Eisenman seinen Entwurf, dessen Poesie auf die Politik so hart und spröde wirkte, dass sie neben den Stelen den Bau eines Informations-Gebäudes beschloss. Nun aber ist es soweit. Alle Probleme sind nach Informationen des Tagesspiegels gelöst.

Bagger arbeiten schon auf dem Gelände südlich des Brandenburger Tores. Denn am Freitag will Thierse ein Informationspodest und eine Ausstellung eröffnen – und abermals den Baubeginn verkünden. Das Stiftungskuratorium soll heute darüber infomiert werden, dass das Haupthindernis für den Baubeginn aus dem Weg geräumt ist: Ein Hersteller für die Betonquader ist gefunden. Eine von vielen den Baubeginn verzögernden Schwierigkeiten hatte in der Ausschreibung des Auftrags bestanden, die der Senat wiederholen ließ, um Klagen zu vermeiden. Eine andere, am Skandal vorbeischrammende Querele bestand in einem Werbeplakat, das Spender zum Geldgeben animieren sollte. Es zeigte ein Gebirgsidyll und darüber den Satz: „Den Holocaust hat es nie gegeben.“ Die Verbindung von Provokation und Pädagogik stieß viele ab.

Immerhin hielt sich der Streit um die Kosten des Stelenfeldes in Grenzen. Mitglieder des Kuratoriums gehen davon aus, dass der Bau des Denkmals, wie angekündigt, rund 25 Millionen Euro kosten wird, nicht mehr.

Nun muss auf dem Gelände ein Ort vorbereitet werden, an dem die Stelen, von denen viele mehrere Meter hoch sein sollen, aufstellfertig gemacht werden. Jetzt erst habe man den „echten Baubeginn“, heißt es in Senatskreisen – in zwei Jahren könne das Denkmal vollendet sein. Volker Beck, der für die Grünen dem Kuratorium angehört, sagte am Mittwoch, es sei begrüßenswert, dass es „endlich mal vorangeht“.

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