Politik : Nur die Hälfte der Soldaten würde wieder Soldat werden

Robert Birnbaum

Berlin - Die Soldaten der Bundeswehr sind offenbar mit ihrer beruflichen Situation und mit der Politik massiv unzufrieden. Darauf weisen die Ergebnisse der ersten umfassenden Umfrage unter den Mitgliedern des Bundeswehrverbands hin, die dem Tagesspiegel vorliegen. So fühlen sich fast zwei Drittel der Befragten von der Politik im Stich gelassen, nur 3,9 Prozent sehen sich voll unterstützt. 64 Prozent der Soldaten fanden überdies, die Politik habe ihnen Sinn und Zweck der Auslandseinsätze nicht hinreichend erklärt. Ebenfalls nur ein verschwindend geringer Anteil von 6,2 Prozent der Befragten sah sich umfassend informiert. Hinzu kommt massive Kritik an der persönlichen Ausrüstung und der Ausstattung der Truppe im Einsatz. 22,5 Prozent der Befragten werteten die persönliche Ausrüstung als „schlecht“ oder „sehr schlecht“, weitere knapp 45 Prozent nur als „mittelmäßig“.

Die vom Soldatenverband in Auftrag gegebene Umfrage spiegelt nach Einschätzung des Verfassers, des Passauer Wissenschaftlers Gerd Strohmeier, die Stimmung in der Truppe realistisch wider. Dafür spreche die hohe Beteiligung von 45 000 Soldaten, darunter rund 25 000 Aktive und rund 12 000 mit Erfahrung in Auslandseinsätzen. Zugleich belegten Antworten auf einzelne Fragen, dass nicht nur „Meckerer“ sich zu Wort gemeldet hätten.

Generell zeigten sich Berufs- und Zeitsoldaten noch unzufriedener und skeptischer als Wehrpflichtige. Nur etwa die Hälfte der „Profis“ gab an, sie würden sich wieder für diese Karriere entscheiden. Nur ein Drittel aller Befragten würde Kindern oder Freunden den Dienst in der Bundeswehr empfehlen. Dieser Befund dürfte auch die Skepsis erklären, mit der viele Befragte die Zukunft der Bundeswehr beurteilten. So glaubten nur 18,4 Prozent der Befragten und nur 9,7 Prozent der Berufssoldaten, dass die Armee genug qualifizierten Nachwuchs gewinnen kann.

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