Politik : "Nur für getaufte Männer"

Martin Gehlen

Frauen als Priesterinnen. In der evangelischen Kirche ist das seit Ende der 60er Jahre Praxis, in der anglikanischen Kirche von England gibt es sie seit 1993, bei den Alt-Katholiken seit 1996. Die römisch-katholische Kirche bleibt stur. "Ausdrücklich und endgültig" habe der Papst 1994 festgestellt, dass das Priesteramt nur Männern vorbehalten sei, betont die Deutsche Bischofskonferenz - aufgeschreckt durch Meldungen aus Österreich. Dort wollen sich zum Jahresende etwa ein Dutzend Frauen zu Priesterinnen weihen lassen. Einen Bischof haben die Kandidatinnen angeblich gefunden, der ihnen das Sakrament spenden will. Sein Name ist geheim, auch sein Herkunftsland sowie Datum und Ort der Weihe.

Initiiert hatte den auf drei Jahre anberaumten Lehrgang zur "Ausbildung von Frauen für Weiheämter" das österreichische Kirchenvolksbegehren "Wir sind Kirche". Jetzt, wo die Weihepläne Schlagzeilen machen, geht die Bewegung auf Distanz. "So nicht!", heißt es in einer Erklärung. Eine Weihe habe die Bewegung weder initiiert, noch werde sie von ihr getragen. "Wir haben die Frauen immer darauf hingewiesen, dass sie nach der Ausbildung voraussichtlich vor einer Blockade stehen, auch wenn diese nach unserer Überzeugung irgendwann einmal aufgelöst sein wird", sagte der Vorsitzende Hubert Feichtlbauer. Zwar habe sich "Wir sind Kirche" von Anfang an für die Weihe von Frauen ausgesprochen und werde dies auch künftig "in aller Deutlichkeit tun". Es sei aber zu bezweifeln, dass sich durch solche Aktionen eine Änderung des Kirchenrechts erreichen lasse. "Sie schafft eher Verhärtungen auf Seiten der Bischöfe und des Vatikans als einen Durchbruch", sagte Feichtlbauer.

Denn die Oberhirten wissen das Kirchenrecht auf ihrer Seite. Nach Auskunft des Münsteraner Kirchenrechtlers Klaus Lüdicke empfängt - wie der Kanon 1024 es ausdrückt - "die heilige Weihe gültig nur der getaufte Mann". Eine solche Bevorzugung wegen des Geschlechts, das wollen die an der Weiheaktion beteiligten deutschen und österreichischen Frauen nicht weiter hinnehmen. Sie alle haben sich in Wochenendseminaren auf das Priesteramt vorbereitet. Wie die Initiatorin, die Religionslehrerin Christine Mayer-Lumetzberger, erläuterte, wollen sie "dort weiter arbeiten, wo sie bereits heute arbeiten", etwa in Hausgemeinden und Gemeinschaften. Sie "bleiben römisch-katholisch und werden die Sakramente mit denen feiern, die sie darum bitten".

In Deutschland führt ein bundesweites "Netzwerk Diakonat der Frau" seit 1999 einen dreijährigen Ausbildungskurs durch - allerdings für Diakoninnen in der katholischen Kirche. Die Organisatorinnen betonen, dass sie das Amt der Diakonin nicht als Vorstufe zum Priesteramt betrachten. Doch auch eine Weihe von Frauen zu Diakoninnen lässt das Kirchenrecht bislang nicht zu. Es gibt jedoch zahlreiche Initiativen von Bischöfen, dieses Amt einzuführen. Diese Bemühungen, so fürchten nun die Theologinnen, könnten durch eine spektakuläre Weihe von Priesterinnen einen Rückschlag erleiden.

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