Politik : Nur noch ein Punkt Vorsprung

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Für das Politbarometer hat die Forschungsgruppe Wahlen vom 8. bis 11. Juli 1031 Bürger befragt.

Gut zehn Wochen vor der Bundestagswahl deutet sich immer mehr ein Kopfan-Kopf-Rennen der großen Parteien an. In der politischen Stimmung liegen Union (41 Prozent) und SPD (40 Prozent) jetzt nahezu gleichauf. Beide konnten leicht hinzugewinnen. Der Vorsprung der Union zur SPD betrug noch Ende April zwölf Prozentpunkte. Nach der Projektion auf Grund langfristiger Erkenntnisse über das Wählerverhalten käme die CDU/CSU bei einer Wahl am nächsten Sonntag auf 40 Prozent, die SPD würde 37 Prozent erreichen. Die Grünen lägen nur noch bei 6 Prozent, die FDP erreicht demnach 8 Prozent, die PDS würde 5 Prozent der Stimmen gewinnen. Eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition wäre nicht möglich, aber auch Union und FDP hätten wohl keine parlamentarische Mehrheit.

Die meisten Bürger (45 Prozent) rechnen mit einem Wahlsieg von Union und FDP, 40 Prozent glauben, dass SPD und Grüne es nochmals schaffen. Vor vier Jahren hatte die Lage schärfere Konturen: Schon im Juli 1998 setzten rund zwei von drei Befragten auf den Erfolg der damaligen Opposition. Doch noch halten 84 Prozent den Ausgang der Wahl für völlig offen. Koalitionsfavorit ist Schwarz-Gelb (27 Prozent). Es folgen Rot-Grün (20 Prozent), die große Koalition von Union und SPD (19 Prozent) und SPD-FDP (7 Prozent). Bei den FDP-Anhängern fallen die Koalitionspräferenzen deutlich zu Gunsten von CDU/CSU aus (57 Prozent), nur 7 Prozent wollen eine Kooperation mit der SPD.

Innerhalb der Sektoren Arbeitsmarkt und Wirtschaft hält die Union auch im Juli ihren klaren Kompetenzvorsprung vor der SPD. 35 Prozent der Befragten attestieren CDU/CSU die besseren Ansätze zur Schaffung neuer Jobs, während auch nach Veröffentlichung des Hartz-Papiers nur 22 Prozent bei der SPD die passenderen Ideen vermuten. Bei der Wirtschaftskompetenz setzen 33 Prozent auf die Union, 19 Prozent auf die SPD. Mehr als zwei Drittel geben an, von den Hartz-Vorschlägen gehört zu haben. 32 Prozent aller Befragten glauben aber, dass die Pläne zur Neugestaltung des Arbeitsmarktes den erhofften Effekt verfehlen werden.

Das politische Comeback Lothar Späths scheint bei den Bürgern gut anzukommen: Auf Anhieb kam er in der Beliebtheitsskala auf den zweiten Platz – noch vor Kanzler und Kandidat. Auch die Berufung Katherina Reiches in das Kompetenzteam von Edmund Stoiber stößt auf Zustimmung: 52 Prozent aller Bürger (und 62 Prozent der Unions-Anhänger) begrüßen es, dass die unverheiratete Mutter sich um Familienpolitik kümmert. Gerhard Schröder liegt in der Kanzlerfrage weiterhin deutlich vor Stoiber, der Vorsprung beträgt 16 Prozentpunkte. Schröder wollen 54, Stoiber 38 Prozent der Befragten. Wichtiger als die Person des Bundeskanzlers – so 64 Prozent der Deutschen – sind aber immer noch die Parteien, die nach der Wahl die Regierung bilden.

Die Arbeitslosigkeit, ohnehin Topthema im Wahlkampf, überlagert mittlerweile alle anderen Sachthemen deutlich: 77 Prozent nennen sie als drängendstes Problem. Vor einem Monat waren es noch 63 Prozent.Tsp

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