Politik : Nur Punktsieg für Romney

Schwierige Kandidatensuche bei US-Republikanern.

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Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney ist seiner Favoritenrolle bei den Vorwahlen in zehn US-Bundesstaaten am „Super Tuesday“ gerecht geworden. Er gewann sechs der zehn Abstimmungen über den Wunschkandidaten, der für die Konservativen im November gegen Präsident Barack Obama antreten soll, und baute seine Führung bei der Zahl der Delegierten für den Parteitag Ende August in Tampa, Florida, deutlich aus. Dort wird der Bewerber offiziell nominiert, der mindestens 1144 Delegierte auf sich vereinen kann.

Die Schlagzeilen vieler US-Zeitungen und die Kommentare vieler Fernsehsender klangen freilich so, als habe Romney nur knapp eine Niederlage vermieden. „Bewerber teilen sich die Vorwahlstaaten – Santorum ist stark“, lobte die „New York Times“ Romneys schärfsten Widersacher Rick Santorum. „Kein Knockout am Super Tuesday“ titelte die „Washington Post“. Nur das den Republikanern nahestehende „Wall Street Journal“ sah Romney ohne Einschränkung als Gewinner: „Romney baut die Führung aus“.

Der skeptische Ton ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Romney sich im symbolisch wichtigen Ohio schwertat und Santorum dort nur knapp schlagen konnte. Der Industriestaat zählt zu den „Swing States“ – jenen Staaten also, die bei Präsidentschaftswahlen das Zünglein an der Waage bilden. Wenn der klare Spitzenreiter der Republikaner dort Probleme hat, weckt das Zweifel an seinen Chancen gegen Amtsinhaber Obama im Herbst.

Auch in Michigan, dem Herz der US-Autoindustrie, hatte Romney vor wenigen Tagen nur knapp gesiegt. Weiße Arbeiter sind eine strategisch wichtige Wählergruppe für die Republikaner. Santorum schneidet unter ihnen besser ab als der Multimillionär Romney, der zudem in der Kritik steht, als Investmentmanager den Verlust von Arbeitsplätzen an Billiglohnländer verursacht zu haben.

Romney gewann neben Ohio die Staaten Alaska, Idaho, Massachusetts, Vermont, Virginia. Santorum siegte in North Dakota, Oklahoma und Tennessee. Newt Gingrich gewann in seinem Heimatstaat Georgia. Die Umrechnung der Wahlergebnisse in Delegiertenstimmen ist kompliziert. Die US-Medien geben unterschiedliche Zahlen über den nun erreichten Stand an, die angesehene Internetseite Realclearpolitics zum Beispiel 404 Delegierte für Romney, 161 für Santorum, 105 für Gingrich und 61 für Paul. Einig sind sich die Experten, dass sich der innerparteiliche Streit noch wochenlang hinziehen wird.

Das schadet dem Ansehen der Republikaner, auch das ist den Umfragen zu entnehmen. Alle ihre Bewerber ziehen nun mehr negative als positive Bewertungen auf sich. Romney sehen 45 Prozent der Bürger negativ und nur 28 Prozent positiv. Präsident Obama wird dagegen derzeit von 48 Prozent positiv und von 47 Prozent negativ bewertet. Im direkten Vergleich der Wahlaussichten würde Obama Romney nach heutigem Stand mit 49 zu 44 Prozent schlagen. Im Vergleich mit Santorum würde der heutige Präsident klar mit 50 zu 43 Prozent positiver Bewertung gewinnen.

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