Politik : Nur zwischengelagert

Die SPD will ein atomares Endlager suchen – die Union dagegen findet, es gibt schon eins: Gorleben

Dagmar Dehmer

Berlin - Im Streit über längere Laufzeiten für Atomkraftwerke ist die Debatte über ein Endlager für die radioaktiven Abfälle etwas in den Hintergrund getreten. Nun hat Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) den Ministerpräsidenten der Union vorgeworfen, die Debatte über mögliche Endlagerstandorte aus Wahlkampfgründen zu verschleppen. Der „Braunschweiger Zeitung“ sagte Gabriel, er schließe nicht aus, dass in der Union die Angst vor einer ehrlichen Auseinandersetzung überwiege und sich vor der bayerischen Landtagswahl niemand mehr traue, eine Debatte über die Endlagersuche zu führen.

Im vergangenen Herbst hat Gabriel ein Konzept zur Endlagersuche vorgelegt. Er verlangt, dass nach alternativen Standorten gesucht und der „bestmögliche“ Ort gefunden werden soll. Dieses Vorgehen sieht Gabriel auch durch Umfragen bestätigt. Nach seinen Angaben befürworteten etwa zwei Drittel der Befragten im vergangenen Herbst eine solche alternative Suche. In der Koalition ist die Endlagerfrage so umstritten wie die gesamte Nutzung der Atomenergie.

Die Union steht auf dem Standpunkt, dass eine Endlagersuche überflüssig sei. Schließlich gebe es den Salzstock in Gorleben. Dort wurde in den 70er Jahren ein „Erkundungsbergwerk“ errichtet. Nachdem im Salzstock Asse, ebenfalls in Niedersachsen, Endlagerversuche gemacht worden waren, waren die atomfreundlichen Fachleute sämtlicher deutscher Behörden der Auffassung, dass Salz der ideale Standort für ein atomares Endlager sei. Dass allerdings schon damals absehbar war, dass es in Asse wohl zu einem Wassereinbruch kommen würde, spielte damals keine Rolle. Im Frühjahr dieses Jahres kam es tatsächlich zum Wassereinbruch in Asse. Seither wird das Wasser mit Pumpen aus dem Bergwerk geleitet. Dennoch sind die Verantwortlichen in Asse nach wie vor überzeugt, dass ein ideales Endlager nur in einem Salzstock liegen könnte.

Kein Wunder, dass es die Atomenthusiasten in Gorleben mit der Erkundung so gut meinten, dass der Salzstock längst ein ausgebautes Endlager ist. Bis Gabriels Vorgänger, Jürgen Trittin (Grüne), ein Moratorium für die Erkundung verhängt hatte, waren die Energiekonzerne überzeugt, längst eine Lösung gefunden zu haben. Zumal der Ausbau in Gorleben bereits rund eine Milliarde Euro verschlungen hat. Die Union will nun durchsetzen, dass Gorleben „weiter erkundet“, also weiter ausgebaut wird.

Doch damit will sich Gabriel nicht zufrieden geben. Er hat veranlasst, dass Gutachten über die Eignung alternativer Wirtsgesteine wie Granit und Ton eingeholt worden sind. Das Ergebnis: Klare Empfehlungen sind nur bedingt möglich. Auch Ton könnte sich als Wirtsgestein eignen, Granit wird dagegen in Deutschland eher ausgeschlossen. Dagegen soll in Finnland ein Endlager in Granit gebaut werden. Die Fachleute bleiben bei ihrer Meinung, dass Salz besser sei als Ton.

Der Umweltminister will dennoch erreichen, dass es eine alternative Standortsuche in ganz Deutschland und in unterschiedlichen Wirtsgesteinen gibt. Sollte am Ende dabei herauskommen, dass Gorleben der richtige Standort ist, will sich Gabriel dem fügen. Das sagte er vor einigen Monaten in einer Bundestagsdebatte. Allerdings will er nicht hinnehmen, dass ein Endlager für radioaktive Abfälle, die für 500 000 bis eine Million Jahre sicher gelagert werden müssen, lediglich nach Bergrecht und ohne Öffentlichkeitsbeteiligung ein Endlager gebaut wird. „Jede Umgehungsstraße wird demokratischer geplant“, sagt der Chef des Bundesamtes für den Strahlenschutz (BfS), Wolfram König.

0 Kommentare

Neuester Kommentar