Obama auf Asien-Reise : USA unterstützen ständigen Sitz Indiens im Sicherheitsrat

Das hatten sich die Inder erhofft: Die USA unterstützen einen ständigen Sitz Indiens im Weltsicherheitsrat. Obama überschüttet seine Gastgeber mit Lob. Indien sei ein unverzichtbarer Partner für die USA.

US-Präsident Barack Obama und der indische Premierminister Manmohan Singh. Foto: dpa
US-Präsident Barack Obama und der indische Premierminister Manmohan Singh.Foto: dpa

US-Präsident Barack Obama hat Indien als "Weltmacht" gewürdigt und dem einstigen Entwicklungsland Unterstützung für einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat zugesichert. "In den kommenden Jahren freue ich mich auf einen reformierten UN-Sicherheitsrat, der Indien als ständiges Mitglied beinhaltet", sagte US-Präsident Barack Obama am Montag bei einer Ansprache im Parlament in Neu Delhi. Indien bemühte sich bislang in der G4-Gruppe gemeinsam mit Deutschland, Brasilien und Japan um einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat.

In seiner mehrfach vom Beifall der Abgeordneten unterbrochenen Rede sprach Obama von Indien als einem "unverzichtbaren Partner" der USA. Bereits vor der Ansprache sagte der US-Präsident: "Indien ist nicht einfach eine aufstrebende Macht, sondern ist jetzt eine Weltmacht." Nach einem Treffen mit Premierminister Manmohan Singh in Neu Delhi nannte Obama die südasiatische Atommacht einen "Schlüsselakteur auf der Weltbühne". Es sei kein Zufall, dass er seit seinem Amtsantritt kein Land länger besucht habe.

Obama kam Neu Delhi auch beim Dauerkonflikt mit der benachbarten Atommacht Pakistan entgegen. Man werde bei der Regierung in Islamabad darauf beharren, dass Zufluchtsorte für Terroristen im Land inakzeptabel seien und dass die Drahtzieher der Terrorserie von Mumbai zur Verantwortung gezogen werden müssten, sagte er.

Obama dankte Neu Delhi für das zivile Engagement in Afghanistan. Er versicherte, zwar werde im kommenden Jahr die Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte beginnen. Er fügte aber hinzu: "Die Vereinigten Staaten werden die Menschen in Afghanistan und der Region nicht im Stich lassen." Singh sagte nach dem Treffen mit Obama, die beiden Atommächte USA und Indien wollten sich gemeinsam für die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen und weltweite Abrüstung engagieren. "Das ist eine kühne bilaterale Initiative." Der Premierminister fügte hinzu: "Wir haben beschlossen, die Vertiefung unserer Beziehungen zu beschleunigen und als gleichberechtigte Partner in einer strategischen Beziehung zusammenzuarbeiten." Die Beziehung werde "positiv und entscheidend Weltfrieden, Stabilität und Fortschritt beeinflussen". Singh sagte, er heiße Obama bei dessen erstem Besuch in Indien als "persönlichen Freund und großen charismatischen Führer" willkommen.

Der US-Präsident sagte: "Ich glaube, dass unsere Beziehung tatsächlich eine der bestimmenden Partnerschaften des 21. Jahrhunderts sein wird." Obama sagte, die USA seien bereit zu einer vermittelnden Rolle zwischen den Erzfeinden Indien und Pakistan, wenn beide Seiten dies wollten. Singh sagte, ein starkes, friedliches und moderates Pakistan sei im Interesse Indiens, der Region und der Welt. Solange aber aus Pakistan heraus Anschläge in Indien geplant würden, seien Friedensgespräche nicht möglich. "Man kann nicht reden, während gleichzeitig die Terror-Maschine so aktiv ist wie zuvor." In Mumbai hatte Obama am Sonntag den muslimischen Extremismus in Pakistan als "Krebsgeschwür" bezeichnet, das ausradiert werden müsse. Er hatte zugleich gesagt, die Regierung in Islamabad habe das Ausmaß der Bedrohung inzwischen verstanden.

Bei dem Treffen Obamas und Singhs am Dienstag beschlossen beide Seiten neben mehreren bilateralen Abkommen eine verstärkte Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus. Singh begrüßte den von Obama angekündigten Abbau von amerikanischen Handelsbeschränkungen im Hochtechnologie-Bereich. Die USA und Indien beschlossen außerdem gemeinsame Projekte in Afghanistan und in Afrika.

Indien ist mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern die größte Demokratie der Welt. Besonders eng waren die indisch-amerikanischen Beziehungen unter Obamas Vorgänger, George W. Bush, der 2006 Indien besuchte. Obama hält sich seit Samstag in Indien auf. An diesem Dienstag fliegt er nach Indonesien weiter. Bei dem Besuch in Jakarta wird es auch um die Beziehungen zur muslimischen Welt gehen.
Zwei Tage darauf reist Obama zur Teilnahme am G20-Gipfel nach Südkorea. Dort soll es auch eine Reihe von bilateralen Gesprächen am Rande der Konferenz geben. Nächster Stopp ist am 12. November Japan. Dort wird Obama am Asien-Pazifik-Gipfel (APEC) teilnehmen, bevor er sich am 14. November auf die Heimreise macht. (dpa/rtr)

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