Politik : Obama will Merkel ehren

Washington - Das Weiße Haus hat eine besondere Ehrung für Angela Merkel angekündigt. Ihre USA-Reise Anfang Juni wird durch ein Staatsdinner aufgewertet. Dieses hohe protokollarische Format für einen deutschen Politiker gab es zuletzt 1995 für den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl. Am 7. Juni will Präsident Barack Obama auch die „Freedom Medal“ an Merkel überreichen: die höchste zivile Auszeichnung in den USA, die er ihr im Januar zuerkannt hatte. In der Ankündigung betont das Weiße Haus die Wertschätzung für „Kanzlerin Merkel, die im kommunistischen Ostdeutschland aufgewachsen war und 2005 die erste Frau an der Spitze des Kanzleramts wurde“. Der Besuch „unterstreicht die fundamentale Bedeutung des Bündnisses der USA mit Deutschland“.

Die ausführliche und im Ton herzliche Bekanntgabe fällt in eine Phase, in der viele Medien erneut über das persönliche Verhältnis zwischen Obama und Merkel spekulieren und zahlreiche Amerikaner über eine geringe Verlässlichkeit Deutschland als Bündnispartner klagen. Vor zwei Wochen hatte das Weiße Haus eine sechstägige Europareise des Präsidenten für Ende Mai angekündigt, bei der er Polen, Irland, Großbritannien und Frankreich besucht, nicht aber Deutschland. Kurz zuvor hatte die Bundesrepublik bei der Libyen-Resolution im UN-Sicherheitsrat nicht mit ihren westlichen Verbündeten gestimmt, sondern sich mit China, Russland und Brasilien der Stimme enthalten.

Das Kanzleramt hatte damals an Medien in Berlin durchsickern lassen, es gebe keine Verstimmung zwischen Merkel und Obama; Deutschland sei nur deshalb keine Station auf seiner Europareise, weil sie ihn Anfang Juni in Washington besuchen werde. Das Weiße Haus wollte diese Pläne seinerzeit nicht bestätigen.

Der persönliche Umgang der beiden steht seit Jahren unter besonderer Beobachtung. Als Obama im Präsidentschaftswahlkampf 2008 die Welt bereiste, um außenpolitische Kompetenz zu demonstrieren, und einen Auftritt vor dem Brandenburger Tor plante, sprach sich Merkel dagegen aus. Die Kundgebung wurde an die Siegessäule verlegt. Emotionale Gesten zwischen beiden sind seltener als bei anderen Spitzenpolitikern. Manche schließen daraus, sie hätten keinen guten persönlichen Draht. Andere sagen, Merkel und Obama pflegten beide einen nüchternen, sachlichen Politikstil. cvm

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