Oberbürgermeisterwahl in Dresden : Dresden bleibt bürgerlich

Bei der zweiten Runde der Oberbürgermeisterwahl gewinnt in Dresden der FDP-Politiker Dirk Hilbert, der unabhängige Kandidat des konservativen Lagers – auch mit Hilfe von Pegida.

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Dirk Hilbert (FDP), ist zum Oberbürgermeister von Dresden gewählt worden.
Dirk Hilbert (FDP), ist zum Oberbürgermeister von Dresden gewählt worden.Foto: dpa

Es waren noch längst nicht alle Wahlbezirke in Dresden ausgezählt, da dröhnte über die Terrasse von Schloß Eckberg, idyllisch oberhalb der Elbe gelegen, schon die Sieges-Hymne. Mit dem Queen-Klassiker „We are the Champions“ begrüßten seine Unterstützer Dresdens neuen Rathauschef – der der Alte bleibt. Schon seit Februar führt der FDP-Politiker und Wirtschaftsbeigeordnete Dirk Hilbert als Vertreter der zurückgetretenen CDU-Oberbürgermeisterin Helma Orosz die Geschäfte im Rathaus. Voraussichtlich Mitte August wird er das Amt nun offiziell übernehmen – gestern (am Sonntag) hat Hilbert die zweite Runde der Oberbürgermeisterwahl in Dresden deutlich gewonnen. Er erhielt 54,2 Prozent der abgegebenen Stimmen. Seine Gegenkandidatin, Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) kam auf exakt 44 Prozent.

Auch wenn Hilbert sich in einer ersten Reaktion über dieses „fulminant schöne Ergebnis“ freute – allzu einfach dürfte der Arbeitsalltag als Stadtchef nicht werden. Zwar trat Hilbert bewusst als überparteilicher Kandidat auf – seinen Sieg verdankt er aber auch der Tatsache, dass zwei gescheiterte Mitbewerber aus dem ersten Wahlgang ihre Anhänger dazu aufriefen, ihn zu wählen: Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) und Tatjana Festerling, Frontfrau der islam- und ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung. Hilbert sei „die Kröte, die wir schlucken müssen, um rot-rot-grün zu verhindern“, hatte Festerling auf einer Pegida-Kundgebung gesagt. Das richtete sich direkt gegen Eva-Maria Stange, die von einem Bündnis aus Linken, SPD, Grünen und Piraten unterstützt wurde.

Der Ruf verhallt nicht ungehört

Dieser Ruf verhallte offenkundig nicht ungehört – und entsprechend besorgt gab sich Stange, als sie in einem Biergarten an der Elbe ihre Niederlage einräumte. Dresden sei tief gespalten, sagte die SPD-Politikerin, die nun Wissenschaftsministerin bleiben will. Es werde nun „darauf ankommen, die Stadt wieder zu vereinen in den nächsten Jahren“, mahnte sie. In die gleiche Kerbe schlug auch Eric Hattke, Sprecher des Netzwerks „Dresden für alle“: „Die Ereignisse der letzten Monate haben uns die Defizite unserer Gesellschaft und den dringenden Handlungsbedarf vor Augen geführt“ erklärte er.

Immerhin: Die Perspektive, das bei bestimmten Themen im Rathaus künftig gemeinsam an einem Strang gezogen wird, scheint zumindest in Sicht. Dresdens SPD-Chef Christan Avenarius versprach Dirk Hilbert „eine faire Zusammenarbeit“ – mit der von ihm mit gelenkten rot-rot-grünen Stadtratsmehrheit.

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