Oberbürgermeisterwahl : Überraschung in Kiel

Die Oberbürgermeisterwahl in Kiel hat am Sonntag eine Überraschung gebracht. Die als Favoritin geltende Amtsinhaberin Angelika Volquartz (CDU) verlor gegen ihren Herausforderer von der SPD, Torsten Albig.

Dieter Hanisch
Albig
Torsten Albig -Foto: dpa

HamburgTorsten Albig, der Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, erhielt 52,1 Prozent der Stimmen, Volquartz kam auf 41,2 Prozent, der Linken-Kandidat Raju Sharma erreichte 6,8 Prozent.

Die Wahlbeteiligung war erschreckend niedrig: Nur 36,5 Prozent der etwas mehr als 191 000 Kieler Bürger machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch – ein historisches Tief. Die Amtseinführung des neuen Stadtoberhaupts ist für Mitte Juni vorgesehen, unmittelbar vor Eröffnung der Kieler Woche. Der 45-jährige Albig war bereits von 2002 bis 2006 Kämmerer in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt.

Die Sozialdemokraten, einst die dominierende politische Kraft in Kiel, hatten bei den Kommunalwahlen 2008 schon einen Erfolg gefeiert: Zusammen mit den Grünen und dem Südschleswigschen Wählerverband (SSW) konnten sie eine schwarz-grüne Rathauskoalition ablösen. Nun gelang es auch wieder, die Verwaltungsspitze der Stadt zurückzuerobern, nachdem die 62-jährige Volquartz, die auch dem CDU-Bundesvorstand angehört, vor sechs Jahren eine 57 Jahre währende SPD-Regentschaft an der Kieler Förde beendet hatte.

In einer ersten Reaktion zeigte sich Volquartz, die auf ihren Wahlplakaten ohne das CDU-Logo geworben hatte, enttäuscht vom Ergebnis. Dass sie als Favoritin gehandelt worden war, habe offenbar etliche Stammwähler ihrer Partei eine trügerische Sicherheit vermittelt und vom Wahlgang abgehalten. Die SPD erkennt nach den Worten ihres Landesvorsitzenden Ralf Stegner für die bevorstehenden Wahlkämpfe einen starken Rückenwind. Albig wurde in Kiel neben der SPD auch von den Grünen und dem SSW unterstützt. Volquartz war auch Wunschkandidatin der FDP, die landespolitische Einflüsse auf die OB-Wahl erkannte und die Politik von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) kritisierte. Der Wahlkampf in Kiel war unspektakulär und blieb fast ganz ohne Reizthemen.

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