Politik : Obwohl Kuba die Inhaftierung bestreitet, sitzen noch zahlreiche Reporter im Gefängnis

Hanni Chill

Jede Regierung definiert die Freiheit der Medien ein wenig anders. Eine der letzten sozialistischen Regimes auf dieser Welt, die Republik Kuba, tut sich besonders schwer damit, sich den westlichen Interpretationen von Grundrechten anzunähern. Immerhin durfte nun die Journalisten-Union des Landes den Bundesvorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes, Hermann Meyn, zu Informationsgesprächen, Vorträgen und Diskussionen nach Havanna einladen.

"Nein, bei uns sitzen keine Journalisten in Gefängnissen", versichert Parlamentspräsident Ricardo Alarcon, der langjährige Aussenminister Fidel Castros, der gegenwärtig mit den USA die Verhandlungen über eine Lockerung des Embargos leitet. Und obwohl eine Namensliste von inhaftierten kubanischen Journalisten vorliegt, die "Reporter ohne Grenzen", eine weltweit operierende Menschenrechtsorganisation, zusammengestellt hat, bleibt der Diplomat dabei: "Wir halten nur Agenten fest, die konterrevolutionär tätig waren. Und wir schlagen und foltern sie nicht".

Journalist oder Agent, das ist für viele Regierungen ein Problem. Direktor Reynaldo Caviac Lafferte vom Internationalen Pressezentrum ist für die Akkreditierung ausländischer Journalisten zuständig. Die benötigen, im Gegensatz zu Touristen, nicht nur eine Einreisekarte, sondern ein besonderes Visum. Manche versuchen dies zu umgehen, ein gefährliches Unterfangen, wie auch der deutsche Botschafter in Havanna, Reinhold Huber, in einem Gespräch betont.

Schwierige Informationsbeschaffung

Aber auch mit einem Journalisten-Visum ist es auf Kuba kein leichtes Arbeiten. Denn seit dem 16. Februar dieses Jahres bestimmt ein Gesetz, dass für Cubaner die Zusammenarbeit mit ausländischen Medien zu Haftstrafen bis zu 20 Jahren führen kann. Ein ausgeklügeltes System, das die Informationsbeschaffung unterhalb der staatlichen Ebenen nahezu unmöglich macht.

Ausländische Korrespondenten leben auf Cuba unter besonderen Bedingungen, nicht nur wegen der Aufnahme von Kontakten, die vorher nicht genehmigt wurden, sondern auch wegen der verschwommenen Grenze zwischen geduldeter und nicht geduldeter Kritik. So blieb ein Reporter der französischen Nachrichtenagentur Agence France Press, der nach Meinung der Behörden zu polemisch über das Casto-Regime geschrieben hatte, nur von der Ausweisung verschont, weil der Pressezentrums-Direktor erkannte: "Der wollte den Rausschmiss provozieren, um dann über einen Skandal berichten zu können".

Kleine Freiräume haben sich indessen nach Beobachtungen Botschafters Huber prominente Bischöfe nach dem Papst-Bessuch im Frühjahr 1999 erkämpft. Sie berichten in Predigen über ihre Eindrücke von Deutschland-Besuchen und riskieren in eigenen Publikationen auch schon einmal ein Lippe. Das tun auch staatliche Hörfunk- und Fernsehsender, indem sie die katastrophalen Transportprobleme anprangern: Schrottfreie Busse gleichen motorisierten Sardinenbüchsen, in die sich Hunderte von Arbeiterinnen und Arbeiter gezwängt haben, und auf offenen Ladeflächen karren Lastwagen Tausende durch das Land. Wer mitkommt, kann sich glücklich schätzen, die Mehrzahl wartet in langen Schlangen an den Haltestellen, manchmal einen halben Tag - alles Ergebnisse der rigorosen Embargo-Politik Washingtons, die den Inselstaat von der Benzinzufuhr abschneidet.

Zehn Jahre nach dem Zusammenbruch des Sozialismus in Osteuropa, fünf Jahre nach der Zulassung des Dollars auf Cuba, hat sich, so scheint es, das Castro-Regime gefangen. Es läßt inzwischen auch zu, dass über die Nachfolge des Comandante in Politiker- und Journalisten-Kreisen offen diskutiert wird, aber es duldet nicht den Verkauf ausländischer Zeitungen.

Zentralorgan mit deutscher Ausgabe

Chefredakteur Frank Agüero Gomez von "Granma", dem Zentralorgan der sozialistischen Partei Cubas, behauptet dies zwar, aber selbst in Touristenhochburgen liegt nur "Granma" aus. Davon gibt es sogar eine deutsche Ausgabe, gedruckt in Berlin-Treptow, wo auch die "Junge Welt" erscheint.

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